In Ihrer Antwort an Wolfgang Joop ersetzen Sie den Begriff Mut durch Tapferkeit. Ein Blick auf den Sprachgebrauch unserer Nachbarn zeigt die deutliche Unterschiedlichkeit der beiden Begriffe. Tapferkeit ist bravour (Mannhaftigkeit, im kriegerischen Sinne verwendet) oder bravery, Mut hingegen englisch wie französisch courage. Davon abgeleitet gibt es encourage, prendre courage, encourager und décourager. Man kann also mit Ermutigung oder Entmutigung positiven oder negativen Einfluss ausüben. Jedenfalls aber ist Mut etwas Vorhandenes. Das gilt so nicht für Tapferkeit. Sie ist eine verordnete Tugend, man kann, wie Sie richtig sagen, "teilweise dazu erziehen". Als Gegenbild zum Tapferen wird der Feigling ins Spiel gebracht, eine Instrumentalisierung offenbar speziell fürs Militärwesen.

Tapferkeit wird gebraucht zum Durchhalten. Kurzfristig kann man "die Zähne zusammenbeißen", tut man es länger, wird Verbissenheit daraus. Mut hat Perspektiven, während Tapferkeit allenfalls Hoffnung haben kann.

Wenn Sie "Tapferkeit gegen sich selbst" einfordern, greift weder Mut noch Tapferkeit, sondern etwas anderes: Selbstdisziplin. Im Gegensatz zur eingeforderten und verordneten Tapferkeit ist Mut eine eigenständige Kraft.

Wer ihn nicht hat, ist entmutigt oder mutlos, aber kein Feigling. Er könnte motiviert und ermutigt werden.

Eva-Maria Wallas, Hamburg