Die verbrannte Erde ist wieder fruchtbar geworden. Hoch steht das Gras in den Wiesen, die niemand mehr mäht. Am Rande der Europastraße 71, die von Split aus quer durchs Landesinnere nach Zagreb führt, blühen Felder voll von Margeriten, samtstacheligen Königskerzen, Ginster und wilden Heckenrosen. Hier war einmal Krieg. Von 1991 bis 1995. Krajina-Serben gegen Kroaten. Die Serben haben verloren.

Schon kurz nach Gracac beginnen beiderseits der Straße die Ruinenfelder, stehen die ausgebrannten, ausgeraubten und von Maschinengewehrsalven und Granaten zerhackten Gehöfte und Dörfer, in denen keine Menschenseele zu sehen ist. Das wird sich nicht ändern bis hinauf in das Naturparadies der Plitvicer Seen.

Je weiter man in den Süden Richtung Dubrovnik vorstößt, desto augenfälliger werden die Schäden, die der Krieg verursacht hat - in Slano zum Beispiel, einem einst idyllischen Fischerstädtchen, gebaut aus dem hellen Stein des Karstes. Er barst unter dem Granatenhagel, der von den Bergkuppen kam. Jetzt stehen unverputzte Neubauten aus Ziegelsteinen zuhauf am Meer, und die Touristen fahren vorbei.

Von Slano berichten die Medien nicht. Im Gegensatz zur mauerumgürteten Altstadt Dubrovniks, von der Unesco als Kulturerbe der Menschheit deklariert. So wie die Altstadt von Trogir, der Diokletionpalast in Split, Sibeniks halbgotische Renaissancekathedrale, Zadars vorromanische Donatuskirche, die Nationalparks von Krka und Plitvic. Das alles sind zweifellos grandiose Kunst-, Kultur- und Naturschätze. Aber daneben gibt es weniger bekannte Orte an einer Küste zu entdecken, die zu den landschaftlich schönsten und geschichtsträchtigsten Europas zählt.

Die Römer siedelten im Land der 1000 Inseln, kroatische Königreiche kamen und vergingen, die Osmanen brachten einen neuen Glauben, Venedig hinterließ über vielen Stadttoren seinen in Marmor gemeißelten Markuslöwen und Habsburg seinen flügelspreizenden Doppeladler, während der rote Stern Jugoslawiens und die Namen der Partisanen aus den heroisch wirkenden Denkmälern des sozialistischen Realismus vielerorts herausgeschlagen wurden. So in Rogosnica bei Primocten, wo jetzt das Denkmal wie ein Fremdkörper an der Uferpromenade steht. Die Zukunft liegt am anderen Ufer der Bucht: moderne Marinas, Ausgangspunkt für Törns in einem der schönsten Segelreviere des Kontinents.

Geschichte, wie man sie im mittelalterlichen Hafen- und Festungsstädtchen Mali Ston vorfindet, lieben die Touristen. Sie besichtigen Paläste, Wehrtürme und die über fünf Kilometer lange Stadtmauer, die Mali Ston mit dem Schwesterstädtchen Ston auf der Halbinsel Peljecac verbindet.

Aber die meisten Besucher kommen wegen der Austern, der Muscheln und der Wellhornschnecken, die alle in bester Qualität im klarsten und saubersten Wasser der Adria gezüchtet werden. Und die Fremden kommen wegen der Rotweine Dingac, Plavac, Postup und Peljecac, die auf der Halbinsel gekeltert werden und einen vorzüglichen Ruf genießen.