Die Idee wurde geboren, als Theodor Eschenburg im Januar 1945 mit Ernst Rowohlt bei einer Flasche Wein zusammensaß: "Als ich fragte, was er nach Kriegsende machen werde, sagte er nur: ,Bücher natürlich! Ein paar Autoren habe ich noch, ein paar werden aus der Emigration zurückkommen, und nachwachsen werden auch welche. Es wird schon gehen.' Aber ich war skeptisch. Es werde kein Papier geben, keinen Leim und schon gar kein Leinen für die Umschläge. Mein Blick fiel auf die Feuilletonbeilage des ,Völkischen Beobachters', die auf seinem Schreibtisch lag. ,So sollten Sie Ihre Bücher machen, Rowohlt', sagte ich in einer plötzlichen Eingebung, ,als Zeitung sollten Sie Hauptmann, Hemingway und vielleicht sogar die Klassiker drucken.' Rowohlt erwiderte: ,Sie spinnen, Eschenburg! Das kauft doch kein Mensch.' Ich antwortete: ,Warten wir's ab.'"

Im Spätherbst 1946 erhielt Eschenburg ein Päckchen, darin lag eines der ersten rororo-Exemplare, Tucholskys Schloß Gripsholm, handsigniert von Ernst Rowohlt: "Für Theodor Eschenburg, mit Dank für die Anregung."

Wahrheit oder Legende? In jedem Fall eine hübsche Anekdote, die Eschenburg in seinem gerade posthum veröffentlichten zweiten Erinnerungsband erzählt.

Auf die gute Idee folgte eine noch bessere, diesmal importiert aus Amerika durch den Verlegersohn Heinrich Maria Ledig-Rowohlt: Seit Juni 1950 erschienen Rowohlts Rotations-Romane nicht mehr im Zeitungsformat, sondern als Taschenbücher - 1,50 Mark pro Band. Große Literatur für den kleinen Geldbeutel. Lesenahrung für die Ausgehungerten. Es begann eine Erfolgsgeschichte, wie es keine zweite gibt in der deutschen Verlagsgeschichte.

Bis heute sind rund 15 000 rororo-Bände in einer Gesamtauflage von 525 Millionen erschienen. Taschenbuch und rororo - das war lange Zeit ein Synonym. Immer neue Reihen wurden geschaffen, als Reaktion auf neue Bewegungen in der Gesellschaft und auf veränderte Lesebedürfnisse - die enzyklopädie, die monographien, rororo aktuell, die thriller, neue frau, rotfuchs et cetera. Keiner unter uns, der nicht spontan mindestens zehn Titel aus dem Programm nennen könnte, die für ihn bedeutsam waren.

In diesen Tagen feierte der Taschenbuch-Verlag, die gegenwärtigen Schatten über dem Reinbeker Haus verscheuchend, seinen 50. Geburtstag mit der Eröffnung einer Ausstellung im Hamburger Museum der Arbeit: "50 Jahre rororo - die Welt in der Tasche." Da sieht man sie, die vertrauten Umschläge aus fünf Jahrzehnten, eine Wiederbegegnung wie mit guten, alten Bekannten. Wir gratulieren.