Spaß macht sie wohl niemandem, die Menstruation. Unerbittlich einmal pro Monat erinnert die schmerzhafte Blutung die Frauen an ihre biologische Funktion, ans Kinderkriegen. Zähne zusammenbeißen und die blutigen Tage ins Pfefferland wünschen waren bislang die einzigen Strategien, die Frauen dem entgegensetzen konnten. Nun erhalten sie Schützenhilfe aus Fachkreisen.

Einige Experten wollen die Menstruation zum Unding erklären: Unnütz, unnatürlich und gar ungesund sei sie, lautet das Verdikt.

In amerikanischen Labors laufen zurzeit verschiedene Projekte, die tatsächlich das Ende der Menstruation bedeuten könnten - falls die Frauen sich auf die neuen Pillen einlassen werden. Heimliche Vorreiter sind bereits auf dem Markt: Die Hormonspirale Mirena und das seit letzter Woche auch in Deutschland erhältliche Hormonstäbchen Implanon lassen bei jeder fünften Anwenderin die Periode versiegen. Mit solchen Zufälligkeiten will sich Elsimar M. Coutinho aber nicht zufrieden geben. "Die Menstruation sollte freiwillig sein", sagt der Gynäkologe von der Universität von Bahia in Brasilien und Autor des vor kurzem erschienenen Buches Is Menstruation Obsolete?.

Für ihren Frontalangriff auf die Monatsblutung greifen Coutinho und Gleichgesinnte tief in die Mottenkiste der Evolution. Die rund 450 Menstruationen, die eine Frau in ihrem Leben durchmachen muss, sei ein höchst modernes Phänomen, argumentieren sie. Vergleiche mit Naturvölkern haben nämlich gezeigt, dass Frauen unter den Bedingungen, wie sie für den allergrößten Teil der Menschheitsgeschichte gültig waren, sehr viel seltener menstruieren, als dies heute der Fall ist. Nur etwa 100 Monatsblutungen müssen beispielsweise die Frauen der Dogon in Mali im Laufe ihres Lebens über sich ergehen lassen.

Die Gründe dafür sind ein unterschiedlicher Zeitpunkt der ersten Blutung, die bei den Dogon etwa vier Jahre später einsetzt als bei europäischen oder amerikanischen Frauen, frühere und häufigere Schwangerschaften sowie längere Stillzeiten. Aus evolutiver Sicht sei der Frauenkörper auf den allmonatlichen Hormonansturm nicht eingerichtet, so die Schlussfolgerung der Anthropologin Beverly Strassmann von der University of Michigan.

Womöglich ist die Blutung nicht nur lästig, sondern ein Risiko

Das vergebliche Anwerfen der Fortpflanzungsmaschinerie Monat für Monat ist nicht nur lästig, sondern auch ein Gesundheitsrisiko: Blutarmut, Endometriose (Ablagerung von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut in der Bauchhöhle) sowie ein Anstieg des Risikos für Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs können die Folge sein.