Wäre Alberto Adriano nicht gestorben, er wäre kaum eine Nachricht wert gewesen. Dass der 39-jährige Familienvater in der Nacht zum Pfingstsonntag im Dessauer Stadtpark von drei rechten Jugendlichen - 16, 17 und 25 Jahre alt - ins Koma geprügelt wurde, nur weil er schwarz war, hätte die breite Öffentlichkeit allenfalls am Rande mitbekommen. Deutschland scheint sich daran gewöhnt zu haben, dass es im Osten für fremd Aussehende gefährlich ist.

Die Meldungen über rechte Straf- und Gewalttaten sind in den vergangenen Jahren stetig kleiner geworden. Die ZEIT wird in den nächsten Monaten, bis zum Herbst, das kaum noch Wahrgenommene regelmäßig dokumentieren.

11. Juni: In Meisdorf (Sachsen-Anhalt) werden sechs Jugendliche aus Wiesbaden bei einem Diskobesuch von Einheimischen angegriffen. Die in Deutschland geborenen Türken und Afrikaner waren zu einem Fußballturnier angereist, einer wird mit einem Baseballschläger verletzt.

11. Juni: In Eberswalde demolieren zwei Rechte einen Jugendclub, der als Treffpunkt der linken Szene bekannt ist.

12. Juni: In Leipzig verprügeln drei Neonazis einen indischen Wissenschaftler und hetzen ihren Hund auf ihn. Der 28-Jährige hatte beobachtet, wie die Rechten einen Afrikaner verfolgten.

14. Juni: In Schwerin wird eine Gedenkstätte für die Opfer des so genannten Todesmarsches aus dem KZ Sachsenhausen geschändet.

16. Juni: In Köthen (Sachsen-Anhalt) schlagen zwei rechtsorientierte Jungs einen Sonderschüler krankenhausreif.