Herrligkoffer organisiert die Expedition im Stile Merkls. 270 Träger schafften acht Tonnen Gepäck ins alte Hauptlager. Am 28. Juni erfährt Herrligkoffer vom Einsetzen des Monsuns, der schlechtes Wetter und Neuschnee verheißt. Er und Aschenbrenner befehlen den Abbruch der Expedition und die Rückkehr der Bergsteiger ins Hauptlager. Aber die Spitzengruppe mit Walter Frauenberger, Hans Ertl, Otto Kempter und Buhl weigert sich abzusteigen. Buhl fühlt sich in Topform und will zum Gipfel. Außerdem ist das Wetter noch gut. Am 3. Juli morgens um zwei Uhr geht er vom Hochlager V in 6950 Meter Höhe los. Kempter, der ihm nach einer Stunde folgt, gibt bei 7400 Metern auf. Buhl geht allein. Zu essen hat er bloß Dörrobst und ein paar Kekse, denn Kempter trug den Speck. Um zwei Uhr nachmittags trennen ihn noch 300 Höhenmeter vom Gipfel. Er setzt alles auf eine Karte und schluckt zwei Tabletten des Aufputschmittels Pervitin. Um 19 Uhr hat er es geschafft. In der Nacht bezieht er auf 8000 Meter Höhe ein "Stehbiwak", ohne Schlafsack, ohne Zelt, nur mit einem dünnen Pullover als Kälteschutz. Er erfriert sich zwei Zehen. Als er am nächsten Morgen im Lager IV eintrifft, hat er das Gesicht eines alten Mannes.

Ganz Deutschland feiert den Österreicher Buhl. Das Land sucht nach "unbelasteten" Identifikationsfiguren und findet sie im Sport. Ein Jahr später wird Fritz Walter und der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft weiteren Balsam in die deutsche Seele träufeln. Bloß Herrligkoffer ist unzufrieden. Buhl sieht er als "Meuterer" an. Den Erfolg am Nanga Parbat verkauft er als Mannschaftssieg am "deutschen Schicksalsberg", der "das Vermächtnis Willy Merkls eingelöst hat". Buhl hält dagegen. Legt die Schwächen der Expeditionsleitung schonungslos bloß und versteht seinen Gang zum Gipfel als persönliche Bestleistung und nichts sonst. Mit Buhl beginnt eine neue, ideologiefreie Epoche des Bergsteigens.

In einem Südtiroler Tal lässt sich Anfang der sechziger Jahre ein Halbwüchsiger Hermann Buhls Nanga-Parbat-Buch zum Geburtstag schenken. 8000 drüber und drunter wird zu seiner Lieblingslektüre. Auf Bergtouren in den Dolomiten träumt er von den Eisriesen des Himalaya. 1970, mittlerweile ist er ein bekannter Kletterer, erhält er die Einladung zu einer Nanga-Parbat-Expedition. Ihr Leiter ist der mittlerweile fast 60-jährige Herrligkoffer, der junge Bergsteiger heißt Reinhold Messner. Auch sein Bruder Günther, mit dem er viele schwierige Touren gemacht hat, ist dabei.

Herrligkoffers Ehrgeiz ist hoch gesteckt. Die 4500 Meter hohe Rupal-Wand, die immer noch als unersteigbar gilt, soll bezwungen werden. Die Parallelen zu 1953 sind frappierend. Die Messner-Brüder nehmen Buhls Rolle ein. Doch diesmal soll es keine Meuterei, keinen Aufstand gegen die Führung geben. Der Expeditionsleiter lässt sich nicht in die Karten blicken. Wer letztlich zum Gipfel gehen soll, bleibt sein Geheimnis, keinesfalls aber die beiden Südtiroler allein. Ein Deutscher muss dabei sein. Nach 40 Tagen in der Wand brechen Reinhold und Günther Messner trotzdem zum Gipfel auf. Später wird es eine harte Auseinandersetzung um die Frage geben, ob Herrligkoffer Messner bewusst über die Wetterlage getäuscht hat, wird Messners Expeditionsbericht mit den Vorwürfen gegen den Expeditionsleiter, Die rote Rakete vom Nanga Parbat, mit einem Verkaufsverbot belegt. Der erste öffentliche Vortrag Herrligkoffers gerät zum Skandal, weil Messner, uneingeladen und mit Krücken in der ersten Reihe sitzend, seine Geschichte der Expedition erzählt.

Denn der Nanga Parbat ist auch zu Messners persönlichem Schicksalsberg geworden. Die Messner-Brüder erreichen zwar den Gipfel und sind damit die Erstdurchsteiger der Rupal-Wand. Doch beim qualvollen dreitägigen Abstieg über die unbekannte Diamir-Seite stirbt der höhenkranke Günther in einer Eislawine. Der Schock über den Tod des Bruders beschädigt Messner mehr als der Verlust von sechs Zehen und drei Fingerkuppen, die man ihm amputiert. Die Aura der Unverletzlichkeit ist ein für allemal zerstört. Er braucht Jahre, um die Tragödie zu verarbeiten.

Dreißig Jahre später, am 30. Juni 2000, fliegen Messner und seine Mannschaft dem Himalaya entgegen. Wird Messner Mummerys Verschwinden aufklären?

Der Autor wird Messners Expedition begleiten und im August in der ZEIT darüber berichten