Mein italienischer Vater liebt Campingplätze. Er ist ein fleißiger Mann, der nie Zeit damit verschwendete, in Urlaub zu fahren. Seinen ersten Campingplatz in den piemontesischen Bergen betrieb er im Nebenjob. Den zweiten Campingplatz eröffnete er in Kalabrien, als er in Frühpension ging. Hier verbrachte ich zehn Jugendjahre mit meiner Familie. Den Urlaub der anderen.

Der Campingplatz liegt am Strand des wunderschönen alten Dorfes Rossano; er heißt aber nach der großen Stadt im Norden, in der wir wohnen. So klingt sein Name ein bisschen wie "Stuttgart am Meer". Damit wollte mein Vater den Ort für die Schwaben Norditaliens attraktiv machen. Aber daraus wurde nichts. Denn statt ihrer kamen nämlich die meisten Gäste aus der Gegend südlich von Rom. Jahr für Jahr Anfang August fallen alle am gleichen Tag ein, tausend Leute, die alle auch am gleichen Tag Ende August wieder gehen. In Italien ist es ganz selbstverständlich, dass 65 Millionen Bürger zur selben Zeit in Urlaub fahren und sich in überfüllten Zügen und auf verstopften Autobahnen bei größter Hitze auf das Kommende einstimmen.

Ameisen marschieren in die Vorzelte

Die ankommenden Gäste führte ich an die schattigsten Plätze. Stunden später standen sie in der Sonne und auf der Matte, schwitzend und wütend. Mein Vater lud sie dann zu einer eiskalten Limonade ein, und in den Tagen danach durfte die tropische Sonne auf ihr Vorzelt knallen, wie sie wollte.

Aber die Ameisen - was ist mit ihnen? Kaum stand das Vorzelt, marschierten die Ureinwohner des Platzes ein. Also giftiges weißes Pulver in die Löcher am Boden; jetzt können die Kinder ungestört spielen.

Die Campingausrüstung wird ausgeladen: Fernseher, Kühlschrank, Radio, Herd mit drei Platten, Grill, säckeweise Kohle, kiloweise Pasta in 15 verschiedene Sorten, literweise mitgebrachte Soße aus eigener Herstellung nicht zu vergessen. Man will sich ja auch im Urlaub wie zu Hause fühlen. Bloß die Wände hat man nicht mitnehmen können. Kinder schreien, Mütter rufen, Koteletts braten, Eros Ramazotti über allen Planen, und trotzdem ist die Rufanlage des Platzes laut genug, dass die Durchsagen alle zehn Minuten nicht untergehen: "Signora Lo Bello, ans Telefon, bitte!"

Gegen Abend gesellen sich die Terrassendisco dazu und der Jubel vom Fußballfeld, das in prächtigem Flutlicht erstrahlt.