Telefon beantragen, alte Nummer kündigen, Strom, Gas und Wasser in der alten Wohnung ab- und in der neuen anmelden, Nachsendeantrag stellen, Auto ummelden, Bankkonto zu einer neuen Geschäftsstelle verlegen - Papierkrieg gehört zu jedem Umzug. Ein Dutzend Behörden und Firmen müssen angeschrieben oder persönlich aufgesucht werden. Dabei geht es stets um die Übermittlung der immer gleichen knappen Information: alte Adresse, neue Adresse, Umzugsdatum. Warum, so dachte sich der Bremer Informatiker Herbert Kubicek, kann man eigentlich diese Daten nicht in ein Internet-Formular eintragen und den Rest automatisch erledigen lassen?

Diese Frage stand am Anfang eines Projekts, für das derzeit rund 100 Millionen Mark an Forschungsgeldern ausgegeben werden. Das scheint viel Geld für die Lösung eines kleinen Problems, tatsächlich verbergen sich dahinter jedoch höchst komplizierte technische, wirtschaftliche und rechtliche Anforderungen. Die wichtigste von ihnen: Es muss sichergestellt sein, dass derjenige, der seinen Umzug per Internet meldet, wirklich umziehen will und nicht etwa das Opfer eines dummen Streichs geworden ist. Die Transaktion über das Internet muss "rechtsfähig" sein, wie die Fachleute sagen.

Was also benötigt wird, ist ein elektronisches Pendant zur persönlichen Unterschrift. So etwas gibt es in Deutschland schon seit drei Jahren. Es heißt "digitale Signatur" und ist ein elektronischer Verschlüsselungscode, der auf einer Chipkarte abgespeichert wird. Mit einem Lesegerät kann dieser Code auf jeden beliebigen Computer übertragen und zum Verschlüsseln und signieren einer E-Mail oder jedes anderen Datensatzes benutzt werden, der dann gefahrlos über das Internet verschickt wird. Der Empfänger kann den Absender durch die digitale Signatur eindeutig identifizieren.

Als erstes Land der Welt hatte Deutschland 1998 die Vergabe von digitalen Signaturen per Gesetz geregelt. Die darin vorgeschriebenen Standards für die Datensicherheit und die Überprüfung der Personalien vor dem Aushändigen der Chipkarte machen das Verfahren aufwändig und teuer. 60 Mark kostet eine digitale Signatur bei der Telekom, neben der Post das einzige Unternehmen, das bisher eine Genehmigung für die Ausstellung hat. Dazu kommen eine Jahresgebühr von 100 Mark und der Kauf eines Chipkarten-Lesegerätes für mindestens 50 Mark. Kein Wunder, dass bisher nur ein paar hundert Privatpersonen eine digitale Signatur besitzen.

Zehn "Lebenslagen" lassen sich per Computer bewältigen

Mit dem Forschungsprojekt, das in Bremen, Esslingen und einem Städteverbund in Franken durchgeführt wird, soll sich dies nun schnell ändern. Allein in Bremen werden seit Anfang des Jahres 10 000 digitale Signaturen zusammen mit einem Chipkarten-Lesegerät verschenkt. Damit soll auf einen Schlag die kritische Masse an Nutzern entstehen, die es ermöglicht, all die in einem "rechtsfähigen" Internet denkbaren nützlichen Dinge zu verwirklichen.

Der Umzug ist dabei nur eine von zehn so genannten Lebenslagen, die der Bürger künftig online bewältigen kann. Studenten sollen sich elektronisch einschreiben, einen Bibliotheksausweis und eine E-Mail-Adresse beantragen und Prüfungsergebnisse direkt am Computer abfragen können. Die Steuererklärungen kann man per Internet-Formular beim Finanzamt abgeben. Und wer heiraten will, kann das Aufgebot elektronisch ebenso bestellen wie die dafür nötigen Geburtsurkunden. Die Verwaltungsgebühr wird gleich online bezahlt - entweder durch Einzug vom Bankkonto oder mit der Geldkarte.