Unser jüngstes, unser wohl bleibendes Bild ist das eines alten Herren. Wenn "Herr" nicht schon altmodisch genug klänge, hätte es hier "Grandseigneur" heißen sollen. Vom dritten bis zum siebten Stock des Hamburger Pressehauses toben die jungen Kollegen der ZEIT herum. Den Fahrstuhl verschmähen sie, zwei Treppenstufen nehmen sie auf einmal.

Der alte Herr geht Schritt für Schritt. Manchmal langsam. Gelegentlich tänzelnd. Immer lautlos. Hier oder da verweilend. Er begrüßt diese oder jenen, und sei es auch nur mit einem "Wie geht es Ihnen?" Alle lieben ihn.

Kaum einer kennt ihn anders als den unermüdlichen Wanderer von Stockwerk zu Stockwerk, Zimmer zu Zimmer.

Jemand wie ich sollte ihn kennen. Eines Tages, 1957, erschien er

mich hatte niemand gefragt. Eines Tages verschwand ich

ihn hatte niemand gefragt. Etwa dreimal in der Woche treffen wir einander auf dem Gang. "Leo, wie schön, Sie zu sehen! Wie geht es Ihnen?" - "Danke, mein René, ganz gut." - "Darf ich Sie zu einem Cognac einladen?" - "Vielen Dank, René. Aber erstens trinke ich keinen Cognac, und zweitens muss ich noch mit dem Auto nach Hause fahren." Er fährt mit dem Omnibus in den Norden der Stadt, von dem ich wenig weiß. So wenig wie von René Drommert. Wer kennt ihn wirklich? Andererseits ist das "Kennen" im Sinne von wissen, was einer bisher alles getan hat, wohl nicht so wichtig, wo es darum geht, Hochachtung und Zuneigung auszudrücken.

Auch in Nachschlagewerken erfährt man wenig vom Leben des René Drommert.