Die alten Ägypter hatten Familiensinn: Pharaonen heirateten meist innerhalb der Verwandtschaft. Dadurch konnten sie Macht und Wohlstand am besten steigern. Ähnliches erhofft sich der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch: Er verheiratet jetzt zwei Kinder seiner Firmenfamilie, nämlich die an der Börse notierte ProSieben Media AG (zu der auch der Sender Kabel 1 gehört) mit dem TV-Kanal Sat.1. Kirch spielt auch weiterhin die Rolle des Familienpatriarchen und wird die Mehrheit an der zusammengeschweißten ProSiebenSat. 1 Media AG halten.

Die Nachricht von der TV-Hochzeit ließ die Aktionäre von ProSieben aufatmen. Lange Zeit hatte die TV-Aktie enttäuscht. Kurz nach dem Börsenstart 1997 waren die Papiere, die im M-Dax, dem Segment für mittelgroße Aktiengesellschaften erfasst werden, in den Windschatten des Neuen Marktes geraten. Dort stiegen Medienwerte wie EM.TV oder Kinowelt in den Börsenhimmel, ProSieben hielt bei weniger als 50 Euro einen Dornröschenschlaf. Schuld daran war nicht nur das ungeliebte Börsensegment M-Dax. Viele störten sich daran, dass es bei ProSieben ausschließlich stimmrechtlose Vorzugsaktien gibt - ein Anachronismus in der heutigen Börsenlandschaft. Erst im Dezember vergangenen Jahres schwappte die Medieneuphorie auf den Münchner Fernsehkonzern über.

Seit die Hochzeitsglocken läuten, zappen die Anleger zur ProSieben-Aktie zurück. Kein Wunder, die Analysten der Banken sehen erhebliche Vorteile in der Familienzusammenführung. Wenn ProSieben, Sat.1, N24 und Kabel 1 am selben Marionettenfaden hängen, kann die zusammengeschweißte TV-Familie zum Beispiel die gemeinsame Programmbibliothek von Hollywood-Blockbustern noch besser nutzen. Außerdem, das hat man den Pharaonen abgeschaut, kann man jetzt die geballte Kraft einsetzen und bei den Verhandlungen mit den Herstellern der Programme besser den Bizeps spielen lassen. Der Konzern würde noch gewinnträchtiger arbeiten, sagen Experten, weil er jedes Produkt über eine Vielzahl verschiedener Vertriebskanäle vermarkten kann. Dazu gehören etwa die TV-Kanäle, Internet oder WAP-Handys .

Größer sind die Vorteile bei der Werbung, der Haupteinnahmequelle. Werbezeiten lassen sich besser auslasten. "Nach der Fusion kann der Konzern seine Programme schärfer auf seine Zielgruppen ausrichten", sagt Isabel Geigenberger von der DG Bank. Während Sat.1 vorwiegend auf die ganze Familie zielt, konzentriert sich ProSieben auf das junge Publikum, das als besonders werbehörig und konsumfreudig gilt. Noch schwerer wiegt, sagen manche, dass der neue Konzern deftig Kosten einsparen kann. Zwar müssen Arabella Kiesbauer und Harald Schmidt wohl kaum um ihren Job bangen. Einsparmöglichkeiten werden aber bei der Verbreitung von Nachrichten gese- hen. "Die fusionierten Sender können jetzt die technologischen Einrichtungen der Studios besser ausnutzen", erklärt Michael Schatzschneider von der BHF-Bank. Deshalb halten viele die Aktie noch nicht für ausgereizt. BHF-Bank und US-Investmentbanker von Morgan Stanley Dean Witter erwarten, dass der Kurs von derzeit rund 137 Euro auf 150 Euro klettert.