DIE ZEIT: In Deutschland kann man an über 100 Universitäten und Fachhochschulen Rechtswissenschaft studieren, Anwaltsvereine warnen vor einer Juristenschwemme. Warum braucht es da noch eine private Law School?

KARSTEN SCHMIDT: Die staatlichen Universitäten, das ist ihr größtes Plus, bieten ein homogenes Bildungsangebot für viele Tausende Jurastudenten. Doch neben der Homogenität brauchen wir im deutschen Bildungswesen mehr Vielfalt. Die Law School soll eine Alternative sein: international ausgerichtet, praxisnah und leistungsorientiert.

FRITZ HAAG: An unserem Fachbereich absolvieren jedes Jahr mehr Studenten mit einem Prädikatsexamen ihr Jurastudium, als die Law School überhaupt aufnimmt. Dazu kommen hundert abgeschlossene Promotionsverfahren. Auch die staatlichen Universitäten bilden eine juristische Elite aus.

SCHMIDT: Natürlich haben auch Sie hervorragende Absolventen. Das weiß ich aus meiner eigenen Praxis als Hochschullehrer. Bei der Law School werden die guten Studenten im Hörsaal aber nicht von den Leistungsunwilligen gestört. Wer sich für uns entscheidet, wählt ein anspruchsvolles Lernpensum und hat damit auch die Garantie, dass er innerhalb der Regelstudienzeit zum Examen kommt.

ZEIT: Vorausgesetzt, er erhält einen Platz.

SCHMIDT: Wir suchen uns die Studenten aus. Alle Bewerber unterziehen sich einem aufwändigen schriftlichen Test, bei dem sie ihre analytischen und intellektuellen Fähigkeiten beweisen müssen. Die besten Kandidaten werden dann eingeladen, um in Einzelgesprächen und Gruppendiskussionen ihre Eignung zu testen. Aus in diesem Jahr 370 Bewerbern werden 100 ausgewählt, die im Oktober mit dem Studium beginnen. Mit diesem Verfahren können wir anders als die staatlichen Universitäten auf Defizite in der Schulbildung reagieren. Wir gehen nicht mehr davon aus, dass, wer Abitur hat, alles studieren kann. Das war früher einmal möglich. Heute ist das problematisch.

ZEIT: Sitzen bei Ihnen zu viele Studenten, die da nicht hingehören, Herr Haag?