* Fußnote

Schade. Ich hatte mich gerade warm geschrieben, da war sie auch schon vorbei, diese großartige Fußball-Europameisterschaft. Viel mitreißender war sie, als ich erwartete - schon in der Vorrunde, als die Portugiesen den siegesgewissen Engländern ein drei zu zwei diktierten. Oder das Finale in Rotterdam, das am Ende plötzlich spannend wurde, als die scheinbar hilflosen Franzosen in der letzten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich schossen und sich dann per Golden Goal zum (verdienten) Europameister krönten.

Die Holländer, die im Halbfinale ausschieden, haben mir nicht leidgetan. Aus sechsmal Elfmeter machten sie einmal ein Tor. Viele Belgier haben sich riesig gefreut über den Dilettantismus der holländischen Nationalelf. Belgier sind auf ihre Nachbarn oft nicht gut zu sprechen. "Meine Frau ist zwar aus Holland", erzählte mir der leitende Kurzhaarspezialist des Fachgeschäfts Frisuren und Waffen im belgischen Kelmis, "aber glauben Sie mal, meine Frau ist nicht geizig."

Belgier sind anders, habe ich oft gedacht während der 28 Tage und Nächte im EM-Mobil der ZEIT. Auf dem wallonischen Campingplatz Kon-Tiki blieb ich am längsten, 13 Duschmarken lang sozusagen. Den Platzwart Rudi habe ich mögen gelernt, auch wenn er nichts von seinem misstrauischen Lächeln verloren hat. Er hat mich unwissentlich gelehrt, was Belgien von Holland kulturell unterscheidet. Auf holländischen Campingplätzen stutzen Platzwarte Hecken niedlich zurecht, mähen Rasen, weisen Ankömmlinge auf Regeln hin, die man später auf Faltblättern nachlesen kann ("Rückwärts einparken auf den markierten Flächen"). Sie rammen dreisprachig beschriftete Schilder in die Erde ("Fußballspiel verboten") oder kleben diese hinter wasserabweisender Folie in sanitäre Anlagen: "Lekker gedoucht?" Dann bitte hinterher das auf den Fliesen verbliebene Rinnsal mit dem bereitgestellten Gummischrubber in den Abguss drücken.

Der Platzwart, mal wütend, dann wieder glücklich

Rudi, der Platzwart aus Belgien, hat auch ständig Schilder gemalt, mit Mahnungen und Hinweisen und all diesem Zeug. Aber fast niemand beachtete seine krakeligen Gebote. Das machte Rudi erst wütend und die anderen glücklich, und dann auch Rudi glücklich, weil er wieder wusste, dass er dem ungehörigen Volk noch viel beizubringen hätte.

Holland gleicht einer weitläufigen Ausstellung von Vorgärten, die man guten Gewissens untadelig nennen könnte, wenn "untadelig" ein Kompliment wäre. In Belgien dagegen ist immer irgendwo der Wurm drin. Ein pittoreskes Natursteinhaus auf einem bewaldeten Hügel ist schön anzuschauen, vor allem, weil nebenan meist eine private Müllhalde blüht.