Warum bloß läuft die Bundesregierung der CDU/ CSU geradezu aufdringlich hinterher, obwohl sie doch bei der Rentenreform auf die Stimmen der Union gar nicht angewiesen ist? Die steuerlichen Vergünstigungen für die private Vorsorge - die einzige Neuregelung, welche die Billigung des Bundesrates braucht - sind keine einleuchtende Begründung. Schließlich sind Kanzler Gerhard Schröder und Arbeitsminister Walter Riester bereit, einen hohen Preis zu zahlen: Sie nehmen sogar in Kauf, die noch vor kurzem so mächtige Gruppe der SPD-Sozialpolitiker zu verprellen.

Tatsächlich geht es nicht darum, den Bürgern mit einer Vielparteienkoalition eine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung vorzugaukeln. Auch die Vermutung, die Regierung wolle die Opposition nur bei unpopulären Maßnahmen mithaften lassen, greift zu kurz. Es gibt für den Konsens ein gewichtiges Argument: Nur wenn die großen Parteien gemeinsam die Rentenreform beschließen, können die Bürger sicher sein, dass ein künftiger Regierungswechsel nicht einen abrupten Kurswechsel in der Rentenpolitik auslöst. Zu der Hü-und-hott-Politik ist es doch nach der letzten Wahl gekommen, weil die konservativ-liberale Bundesregierung in der vergangenen Legislaturperiode hochmütig auf eine Zustimmung der Sozialdemokraten gepfiffen hat.

Es ist sinnvoll, Rentenpolitik langfristig anzulegen. Falsch ist es aber, den Bürgern die Renten und Beiträge des Jahres 2030 auf Heller und Pfennig vorzurechnen. Solche Prognosen können nie seriös sein, weil niemand weiß, wie sich die Wirtschaft, wie sich Einkommen und Arbeitsmarkt entwickeln. Darum dürfen die Politiker jetzt nicht die Illusion wecken, mit der Reform seien die Renten in den nächsten Jahrzehnten auf jeden Fall sicher. Die Bürger müssen jedoch sicher sein, dass auch künftig dieselben Prinzipien gelten wie heute - sonst wird eine vernünftige Lebens- und Vorsorgeplanung unmöglich.

Deshalb tut der Konsens Not.