Wie ein Ei dem anderen gleicht die Sprache der Gegenwart in vielen Wendungen der unserer bäuerlichen Ahnen. Bilder aus einer untergegangenen, ländlichen Erlebniswelt sprießen ins Kraut, wenn uns der Hafer sticht. Auch, was auf den Magen schlägt, über die Leber läuft oder gar Gänsehaut macht, mag anschauliches Bild gewesen sein, bevor es zur Phrase erstarrte.

Das Anschauungsgerät unserer Zeit, der Fernseher, hat dagegen bisher erbärmlich wenig frisches, sinnliches Sprachmaterial geliefert.

Studios gab es auch vor dem Fernsehen schon. Trotzdem mag das Medium die Studiotisierung der Alltagswelt entscheidend vorangetrieben haben. Vom Sonnen- oder Bodybuilding- bis hin zum Getränke- oder Blumenstudio führt die Karriere des Wortes, die ich dringend in "Sanitär-Studio" zu gipfeln bitte, damit niemand mehr Klo sagen muss.

Die Karriere des Wortes "beamen", wörtlich: etwa "strahlen", steht wohl erst noch bevor. 1954 entwarf der Horrorklassiker The Fly erstmals die Utopie vom körperlosen Transport. Doch erst Gene Roddenberrys Raumschiff Enterprise machte die flimmernde Lichtdusche mit anschließendem Ganz-woanders-Sein weltbekannt. Eine andere gewagte Utopie des Raumschiffs war der Kuss zwischen der Schwarzen Lieutenant Uhura und einem weißen Besatzungsmitglied in der ersten Staffel der Serie. Enterprise wurde in den USA prompt abgesetzt und kam erst im zweiten Anlauf zum Erfolg.

Mit dem "Beamen" setzten sich die Enterprise- Autoren dem Verdacht aus, einen rechtschaffenen Humbug zusammenfantasiert zu haben. Noch heute finden sich rege besuchte Chats im Internet, die der Sache die Machbarkeit absprechen. Um nur einen Menschen in seinen subatomaren Bestandteilen zu bestimmen, bräuchte es rund 20 000 Milliarden Jahre Rechnerzeit, kontern Experten kühl. Und selbst dann würde der in Quarkgröße zerlegte Reisende am Bestimmungsort zwar vollständig ankommen, aber auch mausetot.

Tatsächlich flochten die Autoren im Laufe der Zeit ein paar Beam-Unfälle in die Drehbücher ein. Mal wurden versehentlich Crewmitglieder verdoppelt, mal führte ein Stromausfall während des Vorgangs zum Personalabbau. 1998 jedoch gelang es Wissenschaftlern in Innsbruck, Rom und Los Alamos, ein Lichtteilchen an einem Ort verschwinden und woanders wieder auftauchen zu lassen, ohne dass es sich dazwischen bewegt hätte. Eine Erklärung, auch nur eine populärwissenschaftliche, nähert sich hier der Zutextgrenze. Das hat mit der Rematerialisierung von Fotonen einer Quantenverstrickung zu tun. Oder so. Die Forscher rangen nach Worten und fanden: "Beamen". In weiteren 100 Jahren, so prophezeiten die Wagemutigsten unter ihnen, könne man sich vielleicht an größere Brocken wagen und beispielsweise einen Menschen "beamen".

Sicher hingegen ist, dass dann das Leitmedium Fernsehen ausgestorben sein wird. Und vielleicht als vergangenes Idyll dient, bei dem man sich auf der Suche nach anschaulichen, nostalgischen Sprachbildern gern bedient.