Informationen im Internet sind gratis und in Überfülle vorhanden. Leider sind sie oft auch unverbürgt, unzuverlässig. Auf eine Frage erhält man nicht selten widersprüchliche Antworten - also gar keine. Hochwertige gesicherte Informationen könnten im Netz eine Marktlücke füllen, doch bisher sind alle Versuche gescheitert, Wissen gegen Geld zu verkaufen. Selbst die renommierte Encyclopædia Britannica schaffte das nicht und bietet ihre Schätze jetzt kostenlos an, freilich mit Werbung garniert.

Ende März sind nun der Brockhaus-Verlag und die Holtzbrinck-Verlagsgruppe in den ICommerce, den Handel mit Informationen im Web, eingestiegen. Bei Xipolis.net bezahlt der Nutzer mit digitalen "Xi-Punkten", 1000 davon für 49 Mark, zahlbar per Rechnung oder Kreditkarte. Ein Artikel aus dem 24-bändigen Brockhaus kostet umgerechnet 1,50 Mark. Journalisten übten nach ersten Tests allerdings harsche Kritik: Xipolis.njet! titelte die Neue Zürcher Zeitung, Wissenslücke die taz, zu kompliziert war der Zugriff auf die Ware Wissen.

Bei Wissen.de bezahlt der wissbegierige User auf Dauer eher mit seinem Augenlicht, wenn er die winzigen Einträge in den ineinander geschachtelten Fensterchen entziffern möchte. Bei Xipolis ist dagegen viel Zeit und Geduld nötig, um sich durch Java-Fehlermeldungen und die zahlreichen Ebenen durchzuklicken. Doch das zu bemängeln oder gar die Websites ausführlich zu rezensieren scheint vergeblich, "denn im Gegensatz zum einmal gedruckten Buch ändert sich hier ständig etwas", heißt es bei Xipolis.

Suchen die deutschen Enzyklopädien also wirklich ihre neue Einnahmequelle im Web, ganz ohne Ledereinband und Goldschnitt? So weit gehen die Pläne doch nicht. Die Brockhaus-Pressesprecherin für elektronische Medien, Susanne Dahl, bläst nicht zum großen Aufbruch ins Internet: "Wir erwarten uns von den Internet-Aktivitäten einen Zuwachs im Printbereich und eine Verjüngung des Markenzeichens Brockhaus." Brockhaus wolle die Kundenakzeptanz erst einmal abwarten und verspreche sich mehr von einem "Medienmix" aus Büchern, CD-ROMs und Online-Dienst.

Das Engagement ist eher halbherzig, und einfach ist es auch nicht, Lexika ins neue Internet-Korsett zu stecken. Die aus rechtlichen Gründen unbebilderten Artikel wirken, vor allem, wenn sie sehr kurz ausfallen, in der multimedialen Online-Welt ziemlich altbacken. So verstecken sich die digitalisierten Nachschlagewerke verschämt hinter einem kleinen Button mit der Aufschrift "Werke". Der "Premiuminhalt" des Markenzeichens Brockhaus lässt sich so wohl kaum lukrativ vermarkten.

Stefanie wacht über den Community-Chat

"Wir glauben, dass hoch qualitative Information auch Geld wert ist", bekräftigt aber Thomas Striegl von Xipolis. "Das ist ein sehr ehrgeiziges Projekt." Mit Bannerwerbung könne man auf dem begrenzten deutschen Markt kein Geld verdienen. Es bleibt also beim kostenpflichtigen Wissen. Man ist gespannt, wann sich die im zweistelligen Millionenbereich liegenden Investitionen amortisieren. Hoffnung setzt Striegl auf mühelosere Bezahlfunktionen im Internet.