Das Discoviertel von Lloret wird eine Woche lang zum Lebensmittelpunkt. Tausende junger Leute aus ganz Europa schieben sich durch die engen Gassen, umworben von den Anreißern der Discos. Gelb-rote Neonsäulen leuchten auf, blaue Laserfinger tasten durch die Nacht. In den offenen Höfen wird gegessen, getanzt und gelacht. Es riecht nach Deos, Bratfett und Parfüm, auf den darüber liegenden Balkonen der Hotels sitzen junge Leute wie in Waben und prosten nach unten, und mitten durchs Gewühl drängt ein Trupp und grölt: "Wir, wir sind von Rainbow Tours." Da haben sie es, das wilde Leben.

Mit den Hotels wiederum ist es eine andere Sache. In den "gemütlichen Mehrbettzimmern" blüht schon mal der Schimmel, die Klospülung fällt aus, und morgens um acht Uhr werfen die Bauarbeiter die Presslufthämmer an. Fünf Mädchen aus Hamburg werden in ein Zimmer gesteckt - als Ausgleich erhalten sie die Clubkarte. Gerüchte kursieren: Lloret sei hoffnungslos überbucht, zwei Neckermann-Busse voller Touristen seien mit ihrer Fracht geradewegs wieder umgekehrt. Was für ein Glück dann, überhaupt hier sein zu dürfen! "Hauptsache, die Alten sind 2000 Kilometer weit weg."

Wer um fünf Uhr zu Bett geht, verzichtet gern auf ein dürftiges Frühstück um neun. Zumal sich in Lloret preiswert essen lässt: Fad-Food aus ganz Europa - Pizza, Döner, Fritten. Auf Schlemmer aus Deutschland wartet das Schnitzel in Champignonsoße, die Holländer finden Belegde broodjes und Frikandel, und kein Brite muss auf sein English breakfast verzichten. Erstaunlicherweise kann man auch gut essen in Lloret, sogar spanisch. Doch Restaurants wie La Mezquita oder Ca L'Angel liegen nicht im Zentrum. Und keines der Kids kriegt sie je zu Gesicht.

So geht die Zeit dahin, und jede Gruppe schafft sich ihren eigenen Takt. Die fünf aus Othmarschen tauchen jeden Tag um zwölf Uhr am Strand auf, der sich 30, 40 Meter breit in die Bucht schmiegt und mit seinem groben hellgrauen Sand, der Mauer und der Uferpromenade samt Palmen alles aufweist, was einen perfekten Urlaubsstrand ausmacht. Aus zusammengekniffenen Augen blinzeln sie ins Licht, stapfen in Richtung der schwarzen Totenkopfflagge, Treffpunkt von Rainbow, rollen Bastmatten aus, verbuddeln ein paar Flaschen Bier im Sand und schmieren sich gegenseitig mit Sunblocker Faktor 20 zu.

Zwölf Betreuer hat Rainbow in Lloret, die meisten nur etwas älter als ihre Kundschaft. Um 14 Uhr ruft die Pflicht: Spiele veranstalten, bei denen es darum geht, möglichst viel Tetrapak-Sangria in offene Münder zu spritzen; Volleyballteams zusammenzustellen; Strandolympiaden zu organisieren. Tapfer ziehen sie das Ding durch, ehe sie sich wieder der Kür widmen dürfen: auch für diese Nacht etwas fürs Bett zu organisieren.

Baden und Sonnen, Saufen und Rauchen

Die fünf aus Othmarschen bleiben außen vor. Sie braten sich, studieren fachkundig die echten, aufgemalten oder geklebten Tattoos der Nachbarn, toben ein paar Runden durchs Wasser und lassen sich wieder stöhnend vor Urlaubsglück in den heißen Sand fallen: Baden und Bummeln, Saufen und Sonnen, Abfeten und Anbaggern - mehr muss wirklich nicht sein.