Sein Hobby ist der Garten. Er trägt Strickweste und Krawatte. Am Telefon meldet er sich gediegen mit Vor- und Nachnamen und klingt, ganz britisch, leicht reserviert - dieser Mann entspricht gewiss nicht der gängigen Vorstellung von einem Internet-Pionier. Schon eher passt die Beschreibung auf einen Pensionär, der im Kleinstädtchen seinen geruhsamen Lebensabend verbringt.

Der Pensionär Desmond Sargent verbringt seinen Lebensabend im 28 606 Einwohner zählenden Felixstowe an der Küste Südostenglands. Trotzdem ist er ein Internet-Pionier: Im Dienste seiner Arbeitgeberin British Telecom hat er nichts Geringeres erfunden als den Hyperlink. Das sind jene Textstellen im World Wide Web, die man anklickt, um schnurstracks auf eine andere Web-Seite zu gelangen.

"Ich war mir sicher, dass meine Erfindung mehr wert ist", sagt er, nach so vielen Jahren ohne Groll. "Bloß, was sollte ich machen? Ich war Angestellter, und die Regeln waren klar: Der Erfinder kriegt einen Dollar; den Rest kassiert die Firma."

Just das möchte British Telecom jetzt tun. Der Telekommunikationsriese hat bei einer Routinekontrolle das Patent entdeckt und dies vor kurzem auch öffentlich gemacht. Die Gründe, weshalb es so lange dauerte, sind den Verantwortlichen offenbar so peinlich, dass sie sie lieber nicht kommentieren. Ist das Papier etwa aus einer Schublade gerutscht und schimmelte zehn Jahre lang auf dem Boden eines Schreibtisches vor sich hin?

British Telecom versucht also nun, den Internet-Providern Lizenzgebühren abzuverlangen. Das Patent hat noch bis Oktober 2006 Gültigkeit. Londoner Analysten schätzen, es könnte BT mehrere hundert Millionen Pfund einbringen. Andere Kommentatoren bezweifeln, dass auch nur eine einzige Firma jemals einen Penny herausrücken wird, bloß weil ihre Kunden Hyperlinks anklicken.

Für Desmond Sargent ist das Gerangel um die Kommerzialisierung seiner Erfindung ein Sturm in der Teetasse. "Mehrere hundert Millionen Pfund? Was weiß ich?" Das alles interessiere ihn nicht mehr wirklich. Seine Rosen sind ihm wichtiger als irgendwelche Royaltys. Den Traum vom großen Geldregen, der plötzlich über ihn niederprasseln würde, hat er nie geträumt. Und er kann doch nicht klagen mit seinem Einfamilienhäuschen nebst Pension.

Ein bisschen mehr Anerkennung allerdings hätte er sich schon gewünscht. Fernsehteams zum Beispiel, die eines Tages an seine Türe geklopft hätten, um ihm in seiner Strickweste den späten, aber verdienten großen Auftritt zu bieten: "Meine Damen und Herren, Applaus für die Giganten des Internet: Bill Gates, Al Gore und Desmond Sargent!" Und Tusch.