Seit zehn Minuten treibt die Rettungsinsel in der Brandung. Brecher jagen das orange Gummifloß vor sich her wie ein willenloses Stück Kork. 16 Schiffbrüchige drängen sich in der Insel, die ungefähr die Größe eines Sechsmannzelts hat. Noch schlimmer als das wilde Auf und Ab ist die stickige Luft. Aber die Reißverschlüsse können nicht geöffnet werden, sonst stürzt Wasser ins Innere. Die Gesichtsfarbe der meisten spielt ins Grünliche. Immer häufiger suchen Blicke die kleine, weiße Tüte, die die Skipperin wie einen Schatz in der Hand hält.

"Nach unserer Erfahrung übergeben sich maximal drei - dafür reicht die Tüte aus", hatte der Ausbilder gesagt. Und zur Not lassen sich die Wellen ja auf Kommando abstellen, denn die Insassen der Rettungsinsel sind zu ihrem Glück nur Schiffbrüchige auf Probe, üben für den Fall, von dem alle hoffen, dass er nie eintritt. Der Deutsche Segler-Verband organisiert dreimal pro Jahr ein Sicherheitstraining. Ein Wochenende lang werden Lecks abgedichtet, Feuer gelöscht und Seenotrettung geübt. In Theorie und Praxis. Die Marinetechnikschule in Neustadt an der Ostsee stellt dafür Gelände und Ausbilder.

Eine feuerfeste Truppe löscht die Flammen

Mit Brandabwehr beginnt das Training. Es verspricht eine heiße Sache zu werden. "Wir machen hier keine Minimaxfeuer", hatte Stoehr angekündigt. Die kurze theoretische Einweisung erfolgt in einem Kasernenraum, der an einen Chemiesaal erinnert: das Pult gekachelt, die Tische nach hinten ansteigend mit festgeschraubten Klappstühlen. Nur die Schautafel an der Seite passt nicht ganz: "Schutzmaßnahmen gegen die Auswirkung einer Atomdetonation" sind da aufgelistet. Dann wird die Truppe feuerfest eingekleidet: weiße Flammenschutzhaube, die auch die Nase bedeckt, Blaumann, Handschuhe, Atemschutzmaske.

Hauptbootsmann Lorenz Kautz führt die Gruppe in die Halle Ost 49. Vor rußgeschwärzten stählernen Kammern erklärt er, wie Pulverlöscher und Handfeuerlöscher funktionieren. Die Blaumanntruppe steht im Halbkreis vor ihm. Kautz erzählt von der richtigen "Kampfentfernung", gemeint ist der Abstand zum Feuer, er beträgt drei bis fünf Meter. Die blau-weiß Vermummten nicken eingeschüchtert.

Aus einem Benzinkanister wird Brennstoff über die Eisenkammer gekippt, ein Streichholz fliegt, plötzlich überall Flammen. "Feuer!", ruft der Ausbilder, erst dann darf jeder einmal mit dem 12 Kilo schweren Pulverlöscher die Flammen ersticken.

Verlasse nie das Schiff, bevor...