Das schwer ausrottbare Vorurteil der Fernsehkritik gegen Mini-Shows mit Gefühlsfaktor entstammt einer Zeit, in der Fernsehen noch mit großer Öffentlichkeit gleichgesetzt wurde. Nur Schicksalsfragen der Nation waren für Nachrichten und Magazine gut genug, und selbst Shows, Sport und Krimis mussten die Republik erschüttern. Inzwischen haben sich unterhalb der großen Öffentlichkeit Hunderte von kleinen, mehr oder weniger schrulligen und minoritären Öffentlichkeiten etabliert, die gar nicht den Ehrgeiz haben, der großen Bühne Konkurrenz zu machen. Selbstbewusst schlagen sie ihre Zelte und Buden auf den Marktplätzen der Multimedia auf, inszenieren das Triviale, den Alltag und die Marotte und buhlen um Kundschaft. Und der Zuschauer zappt, glotzt und freut sich. Zum Beispiel an einer Mini-Show mit Gefühlsfaktor namens Herz und Schmerz. Wenn er seinen Verstand einigermaßen beieinander hat, vergleicht er dieses Format nicht mit der Tagesschau oder mit Wetten, daß ... , er wirft ihm weder mangelnde Relevanz noch Mickrigkeit vor, sondern beurteilt es nach Kriterien seiner eigenen Mini-Show-Welt, vergleicht es also mit Daily Talks oder einer Sendung wie Herzblatt.

In dessen Sommerpause soll es die Lücke füllen; die Moderatorin heißt Andrea Wieser und lässt zwei geschiedene Paare, die immerhin noch in der Lust auf einen Fernsehauftritt vereint sind, gegeneinander antreten. Nach Art des Idealen Ehepaars seligen Angedenkens sollen die vier beweisen, dass sie ihren Partner nie verstanden haben und diesem Umstand heute mit Humor begegnen können. Heimliche Hoffnung der Macher: dass es bei den Rate- und Pfänderspielen erneut funken könne und ein getrenntes Paar als wiedervereinigtes das Studio verlässt. Aber bislang hat die Kamera ihre Kuppelqualitäten noch nicht hervorkehren können, weder bei Herz und Schmerz noch anderswo.