Das sind nur drei von insgesamt 49 alten Leitz-Ordnern. Sie beinhalten die Ergebnisse der Untersuchungen, die der Kontrollausschuss des DFB unter seinem damaligen Vorsitzenden Hans Kindermann in zweijähriger Arbeit zur Aufklärung des Bestechungsskandals in der Bundesliga anstellte: Mitschriften von Vernehmungen, Protokolle der Sportgerichtsverhandlungen, Presseartikel und eine Bild-Zeitung vom April 1972: Luftpirat in Haft: Millionen-Beute fehlt.

Diese Schlagzeile bezog sich zwar nicht auf bestechliche Fußballer, schon deshalb nicht, weil es seinerzeit nur um vierstellige Summen ging. Allerdings setzt ein verklärter Blick auf diese Überschrift Assoziationen frei über die wesentlich härtere Gangart, die die Boulevardpresse in den vergangenen zwei Wochen bezüglich der Fahnenflucht von Loddar, Olli und Konsorten angeschlagen hat.

Der Bundesligaskandal, der vorübergehend drastische Einbrüche der Zuschauerzahlen zur Folge hatte, gilt gemeinhin als Tiefpunkt der deutschen Fußballgeschichte. Verluderter schien es in keiner vorstellbaren Zukunft zugehen zu können. Seit dem späten Abend des 20. Juni 2000 ist man geneigt, das anders zu sehen.

Zu lachen gibt es dabei rein gar nichts, aber sich der Spekulation hinzugeben, wie dereinst das deutsche Desaster der Euro 2000 dargestellt werden könnte (vielleicht in einer Ausstellung zum 200. Geburtstag des DFB), spendet doch ein klein wenig Trost. Die ersten dilettantischen Bemühungen der schlagartig in der Realität aufgewachten Funktionäre, im Handstreich einen neuen Teamchef oder Bundestrainer zwangszuverpflichten, füllen nach knapp einer Woche schon den einen oder anderen Ordner. Und die jetzt schon legendäre Seite 16 der Bild vom 22. Juni (Euch wollen wir nie mehr sehen!)

wird sich noch in 100 Jahren in jedem Katalog toll machen.

Die drei Aktenordner kann man bis zum 15. Oktober 2000 in der Fußballausstellung in Oberhausen einsehen. Abbildung aus dem Katalog Der Ball ist rund Klartext Verlag, Essen 34 Mark