die zeit: Der Krebsforscher Friedhelm Herrmann hat nach einem kürzlich vorgestellten Bericht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) fast hundert Arbeiten gefälscht. Bei der Untersuchung dieses Falles hat die Task-Force der DFG auch Unregelmäßigkeiten in den Arbeiten anderer Forscher entdeckt. Ist der größte Fälschungsfall der deutschen Wissenschaft also noch dramatischer, als gedacht?

Ernst-Ludwig Winnacker: Dazu kann ich abschließend nichts sagen. Das Verfahren der DFG läuft noch, wir holen derzeit weitere Gutachten ein, und natürlich müssen auch die Betroffenen angehört werden. Wenn wir zu einem Urteil gekommen sind, werden wir auch handeln, falls das nötig sein sollte.

zeit: Wie lange wird dies dauern?

Winnacker: Die Anhörung der Betroffenen wird noch im August sein, und ich hoffe, dass der Fall bis zum Herbst abgeschlossen ist.

zeit: Welche Maßnahmen könnte die DFG ergreifen, falls sich die Vorwürfe erhärten?

Winnacker: Das Extremste, was wir im Einzelfall tun können, ist, jemanden für eine bestimmte Zeit von der Antragstellung für DFG-Gelder auszuschließen.

Außerdem können wir die Betroffenen von eventuellen Posten in DFG-Gremien entbinden oder ihnen das Wahlrecht für die Fachgutachter aberkennen. Ich glaube aber, solche Strafen sind relativ irrelevant, denn falls sich ein Verdacht auf Fehlverhalten erhärtet, dann führt das zu einer Ächtung der Betroffenen in der scientific community, und das ist das Schlimmste, was einem Wissenschaftler passieren kann.