zeit: Viele Arbeiten Herrmanns weisen andere Forscher als Koautoren auf.

Tragen diese damit nicht auch eine Mitverantwortung?

Winnacker: In den Empfehlungen der DFG zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, die wir 1997 ausgesprochen haben, heißt es, dass alle Autoren einer Publikation auch dafür verantwortlich sind. Dieser Grundsatz kann allerdings nicht rückwirkend geltend gemacht werden. Insofern können wir daraus auch nur schwer rechtliche Konsequenzen ableiten. Wir haben den betroffenen Hochschulen und Ministerien unsere Unterlagen zugeleitet, und nun müssen diese als Arbeitgeber handeln.

zeit: Die Universität Tübingen hat auf ihre Weise reagiert und mit einem Gegengutachten alle Vorwürfe gegen die in Tübingen arbeitenden Forscher zurückgewiesen. Wie kann man da zu einer objektiven Beurteilung kommen?

Winnacker: Gerade deshalb holen wir internationale Gutachten ein, und ich hoffe, dass die Lage dadurch geklärt wird. Wir müssen ein faires Verfahren gewährleisten. Die Beweislast liegt bei denen, die solche Vorwürfe erheben, und selbst wenn Unregelmäßigkeiten in wissenschaftlichen Arbeiten gefunden werden, heißt das ja noch nicht, dass dabei mit Vorsatz gehandelt wurde. Man muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Betroffenen unschuldig sind. Denken Sie nur an den Fall David Baltimore ...

zeit: ... der amerikanische Nobelpreisträger, dem der Vorwurf gemacht wurde, in seinem Labor gehe es nicht mit rechten Dingen zu ...

Winnacker: ... und nach jahrelangen Untersuchungen ist er am Ende rehabilitiert worden. Da sind die Forschungsdetektive offenbar übers Ziel hinausgeschossen.