zeit: Sie sind nicht nur DFG-Präsident, sondern zugleich Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Firma MediGene, die vergangene Woche erstmals an die Börse ging. Sehen Sie dabei keine Interessenkonflikte?

Winnacker: Nein, Interessenkonflikte müsste es dort geben, wo das Unternehmen MediGene mit der DFG irgendwie in Geschäfte eintritt. Aber erstens ist das nie passiert, und zweitens wüsste ich auch nicht, wo das passieren sollte.

zeit: Sie könnte zum Beispiel ins Spiel kommen bei Kooperationen zwischen MediGene und Universitätsforschern, die wiederum DFG-Gelder erhalten.

Winnacker: In manchen Fragestellungen arbeitet MediGene wohl noch mit Universitäten zusammen. Aber die DFG ist in kein Forschungsvorhaben involviert, an dem MediGene-Forscher beteiligt sind, und das würde ich auch nie zulassen.

zeit: Dennoch macht es Sie angreifbar. Müsste der DFG-Präsident nicht in diesem heiklen Gebiet auf strikte Neutralität achten?

Winnacker: Das tut er, zumal er an Förderungsentscheidungen nicht beteiligt ist und dabei keine Stimme hat. Probleme gäbe es doch nur, wenn da wirklich persönliche Interessen involviert wären. Sehen Sie, ich bin auch im Aufsichtsrat von Bayer, denn ich finde es wichtig, dass die Forschungsinteressen in solchen Unternehmen gut vertreten werden. Und was Firmen wie MediGene betrifft: Ich glaube, es ist ein positives Signal für viele junge Leute, dass ihr Wissen nicht nur in der Universität, sondern auch in der Wirtschaft gefragt ist.

zeit: Doch wenn heute zunehmend Unternehmen mit sehr enger Anbindung an die Universitäten gegründet werden, führt dies zwangsläufig zu Konflikten - beispielsweise wenn eine Firma fordert, bestimmte Forschungsergebnisse unter der Decke zu halten. Kann ein DFG-Präsident, der selbst in einer Firma sitzt, mit der notwendigen Schärfe auf eine Trennung der Interessen pochen?