Eva Schmidt, Herford

Die äthiopische Regierung hat den Krieg zur innenpolitischen Stabilisierung bitter nötig. Während der letzten Offensive wurde überaus deutlich, dass Äthiopien nicht die umstrittenen Grenzgebiete zurückerobern, sondern die Hauptstadt oder zumindest den Hafen Assab stürmen und die eritreische Armee (sprich: den Großteil der Bevölkerung zwischen 18 und 40) "völlig zerstören" wollte. Diese Motive werden von beiden AutorInnen nicht weiter kritisiert, da ja Eritrea den Krieg "angezettelt" habe. Dabei wird ignoriert, dass Eritrea im Mai 1998 Gebiete besetzte, die vorher ohne eritreische Gegenwehr seit 1997 schleichend von Äthiopien besetzt wurden. Dies erwies sich im Nachhinein als gravierender Fehler, aber reicht er aus, Eritrea pauschal als Aggressor zu verurteilen?

Ihre Berichte verlieren kein Wort darüber, dass sich Eritrea bereits im Mai 1998 bereit erklärte, die Grenze von einer neutralen Instanz demarkieren zu lassen, und dass die eritreische Regierung seit Februar 1999 den OAU-Friedensplan einschließlich Waffenstillstand vorbehaltlos akzeptiert. Die äthiopische Regierung hat dies bis heute nicht getan

sie hat auch nie konkrete Gebietsansprüche formuliert - konsequenterweise -, da die "Wiederherstellung der äthiopischen Souveränität" offenbar auch vor einer Rückeroberung Eritreas nicht Halt macht.

Anfang Mai dieses Jahres lehnte sie erneut bei Friedensverhandlungen in Algier den von Eritrea angebotenen Waffenstillstand ab - die 3. Offensive war schon fest eingeplant. Der strategische Rückzug der eritreischen Armee aus dem grenznahen Flachland sollte daher nicht als Demütigung interpretiert werden, sondern als Verzicht auf verlustreiche Schlachten, die von der äthiopischen Regierung, die human waves in menschenverachtender Kriegsroutine in die Schlacht schickt, bewusst einkalkuliert werden. Diese Soldaten gehören zumeist benachteiligten Ethnien wie den Oromo an, so dass potenziellen Unterstützern der äthiopischen Opposition auch gleich der Garaus gemacht wird.

Nicole Hirt, Hamburg