Seit dem Ausbruch der Asienkrise im September 1997 hat sich die hiesige Wirtschaftsgeografie dramatisch gewandelt. Entlang des 20. Breitengrades, der rund 500 Kilometer südlich von Hongkong verläuft, hat sich ein breiter Spalt aufgetan: Im Norden sitzen mehr bedeutende Unternehmen als vor der Krise, der Süden hingegen hat international an Bedeutung eingebüßt und wird wohl noch mehr an Boden verlieren.

Verlagerungen bei der Börsenkapitalisierung, also bei der Bewertung von Unternehmen durch den Markt, sind ein Indikator für diese Umwälzungen. Lässt man Japan wegen seiner verzerrenden Dominanz einmal außer Acht, dann machen die Aktienmärkte in Hongkong, Taiwan, China und Korea derzeit 81 Prozent der Börsenkapitalisierung Asiens aus gegenüber 74 Prozent im Januar 1998.

Demgegenüber halten Singapur, Malaysia, Indonesien, die Philippinen und Thailand nur noch 19 Prozent im Vergleich zu 26 Prozent vor einem halben Jahr.

Die Marktbewertung der 100 führenden asiatischen Unternehmen (wiederum ohne Japan) unterstreicht diese Tendenz. Heute sind 57 Firmen der Top 100 nördlich des 20. Breitengrades angesiedelt gegenüber 36 im Januar 1996. Ferner sind die fünf Asean-Staaten (Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand) nur noch Standort von 17 dieser Unternehmen gegenüber 40 vor vier Jahren.

Aus den Top 100 verdrängt wurden Unternehmen wie die Bangkok Bank, Siam Cement und San Miguel. Die Singapore Telecoms, 1996 auf Rang 1, ist auf Rang 9 abgerutscht, die Singapore Airlines von Rang 12 auf Rang 21, die Telekom Malaysia von Rang 8 auf 30 und das malaysische Energieversorgungsunternehmen Tenaga National ist von Rang 13 auf Rang 49 abgedriftet. Demgegenüber haben Unternehmen wie die Taiwan Semiconductor den Sprung von Rang 48 auf Rang 5 geschafft und United Micro aus Taiwan von Rang 87 auf Rang 8. Diese Beispiele zeigen eine weitere Entwicklung: Von den zehn heute führenden asiatischen Unternehmen ist jedes entweder ein Konzern der Telekommunikations- oder aber der Elektrobranche. Noch 1996 waren unter den Top 10 Asiens drei Banken, zwei Immobilienkonzerne und nur vier Elektrokonzerne.

Was hat die geografischen Verlagerungen verursacht? Erstens werteten die Länder südlich des 20. Breitengrades als Reaktion auf den Crash ihre Währungen dramatisch ab, was die Börsenkapitalisierungen implodieren ließ.

Der Nordosten Asiens, Hongkong, Taiwan und China, aber stemmte sich gegen eine Abwertung (und Koreas Won erholte sich schnell). Zweitens haben die Regierungen südlich des 20. Breitengrades sich vor Reformen der Banken gescheut und damit verhindert, dass internationale Investoren wieder Vertrauen fassen. Singapur ist dabei eine Ausnahme - sein Problem kommentierte die Far Eastern Economic Review so: "Singapur leidet darunter, als ordentlich bestelltes Haus inmitten einer verkommenen Nachbarschaft zu liegen." Die Stabilität der Währungen in der Region Großchina unterstützte die Exporteure, außerdem förderte die inländische Nachfrage das Wachstum. Auf der anderen Seite blockierte im Südosten die Banken- und Währungskrise den Handel, da es für Exporteure unmöglich wurde, Kredite zu bekommen - und gleichzeitig ließ die stagnierende heimische Nachfrage die Unternehmen straucheln.