Berlin Die Aufregung ist ziemlich gekünstelt. Dass Helmut Kohl sich für seinen Zeugenauftritt vor dem Untersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre bestens würde präparieren lassen, war zu erwarten.

Natürlich hat es Hautgout, dass ausgerechnet der CDU-Obmann des Ausschusses, Andreas Schmidt, regelmäßig bei Kohl antanzte. Pech, dass es herauskam. Dumm auch, dass Schmidt zunächst lediglich Terminabsprachen und strategische Fragen einräumte, Tage später aber auch inhaltliche Gespräche über Leuna und den Panzerexport nach Saudi-Arabien zugab. Stümperhaft schließlich, wie Kohl zunächst so tat, als habe er nur dann und wann mal einen Abgeordnetenkollegen gesehen und gesprochen. Erst nachdem Juliane Webers Kalender regelmäßige Kontakte vor wichtigen Ausschusssitzungen offenbart hatte, gab Kohl trotzig klein bei.

Nun ließen sich amtierende wie ehemalige Amtsträger auch in früheren Ausschüssen stets präparieren. Kanzler und Minister haben dafür sogar ihre Mitarbeiter, die Untersuchungsausschüsse qua Amt von einer eigenen Regierungsbank aus verfolgen. Bei Helmut Kohl ging die Vorbereitung so weit, dass er sich für seine Aussagen im Flick-Ausschuss (1983 bis 1986) vom damaligen CDU-Generalbevollmächtigten Uwe Lüthje sogar ein eigenes Drehbuch verfassen ließ. Der Verdacht liegt nahe, dass die CDU dieses Verfahren nun wiederholt, zumal Uwe Lüthje dem Exkanzler auch im Zuge der Spendenaffäre wieder - am 4. Dezember letzten Jahres - aufgeschrieben hat, wovon dieser nichts habe wissen können.

Dass all das nun publik wurde, ist vor allem für Schmidt höchst ärgerlich.

Der allzu stille Justiziar der CDU/CSU-Fraktion, der in diesem Ausschuss noch unauffälliger als sonst auftritt, ist nun auffällig geworden. Das bringt schlechte Noten.

Es bedurfte aber nicht dieses Eklats, um zu konstatieren, dass die fünf Unionsvertreter wenig, am liebsten nichts zur Aufklärung ihrer Affäre beisteuern wollen. Wolfgang Bötsch (CSU) etwa übt vorwiegend Zwischenrufe, die immer dann besonders gemein sind, wenn Christian Ströbele von den Grünen fragt. Er lässt ihn spüren, dass er ihn eigentlich für einen Terroristen hält.

Wenn die Unionsvertreter überhaupt einmal Fragen stellen, geraten diese nicht selten zu Eigentoren. Dietmar Schlee, früher CDU-Innenminister in Baden-Württemberg, will von den Zeugen gern Negatives über die Parteifinanzen der SPD wissen. Doch weder Walther Leisler Kiep noch Eberhard von Brauchitsch wussten Abträgliches über die politische Konkurrenz zu berichten.