Wer sündigt, soll Buße tun, sagt eine alte Regel. Für Hollywood-Regisseure gilt sie nur mit Einschränkungen. Zwischen Filmemachern und Zuschauern ließe sich wohl auch schwer Einigkeit darüber herstellen, welches Werk denn als Sünde zu gelten hat. Jedenfalls sind kaum Fälle bekannt, wonach ein Regisseur missratene eigene Produktionen bereut und anschließend gelobt hätte, seinen Ruf durch ein gutes Werk wiederherzustellen. Joel Schumachers Makellos allerdings wirkt tatsächlich wie ein Stück Abbitte für zurückliegende Fehler.

Schumacher hat nicht nur eine beachtliche Reihe lärmender Nichtigkeiten hinter sich (darunter die beiden letzten Batman-Filme), sondern hat im Verlauf der neunziger Jahre auch gleich dreimal ein Hoch auf die Selbstjustiz inszeniert (zum Beispiel mit Die Jury oder 8 mm). Nun aber will er Toleranz und Nächstenliebe predigen und wirft ein mitfühlendes Auge auf zwei Loser.

Der vereinsamte Sicherheitsbeamte Walt (Robert De Niro) wird von einem Schlaganfall getroffen und muss therapiehalber nebenan bei der Dragqueen Rusty (Philip Seymour Hoffman) Gesangsstunden nehmen. Zwei, die sich hassen, sollen sich schätzen lernen und einander eine Stütze sein. Wie schön. Wie einfach. Wie durchsichtig. Schumacher ahnt es selbst. Aber statt seine Story noch etwas zu vertiefen, verbreitert er sie bloß und baut noch einen Drogenkrimi an. Prügeln, Jagen, Schießen - dem Action-Profi fällt offenbar kein anderes Sofortmittel gegen drohende Langeweile ein. Zwei halbe Geschichten können einander keine Stütze sein. Wer büßen will in Hollywood, dem muss man wohl als Erstes das alte Spielzeug wegnehmen.