Manche mögen sich, einen Monat nach dem Modernisierer-Gipfel in Berlin, immer noch fragen, was "modernes Regieren" eigentlich ist. Unterdessen denkt das Netzwerk der Teilnehmer schon an den nächsten Gipfel im Herbst 2001.

Inhaltlich soll es dann etwas konkreter werden. Vorerst aber ist formal noch einiges zu regeln, so zum Beispiel, ob man die Ägypter, die sehr darauf drängen, einladen soll. Der Begriff der Modernisierung wäre davor allerdings noch etwas zu überarbeiten. Auch die Wahl des Ortes erweist sich als nicht ganz einfach. Paris stand nahezu fest - schließlich wird Lionel Jospin sich dann allmählich für den Präsidentschaftswahlkampf rüsten. Doch die Briten, in Berlin ganz im Schatten Frankreichs verschwunden, fanden das nicht attraktiv.

Den Deutschen wiederum fiel ein, dass sie es sich in Paris mit Jacques Chirac auch nicht verderben möchten. Warum dann nicht gleich London, das Mekka von modern governance? Ooh! So viele Mitstreiter vom Kontinent passten Tony Blair denn doch nicht ins Programm. Wie gut also, dass es Stockholm gibt, und dorthin wird, wie zu hören ist, Göran Persson einladen. Warum auch nicht? So modern wie die anderen Europäer regiert der schwere Schwede allemal.

Ken Follet, enttäuschter Liebhaber Ken Follets Gabe, das Publikum mittels spannender, geschickt konstruierter Thriller zu fesseln, ist wohlbekannt. Nun ist dem britischen "Champagnersozialisten" ein Coup auf weniger vertrautem Terrain gelungen.

Seine fulminante Attacke auf New Labours berühmt-berüchtigte spin doctors und ihre tückischen Charaktermorde an Gegnern des Blair-Projekts will der Bestseller-Autor ausdrücklich als Beschreibung der Realität und nicht als Ausfluss schriftstellerischer Erfindungsgabe verstanden wissen. Stutzig machen sollte ihn allerdings die freudig-dankbare Reaktion der britischen Presse. Die meisten Zeitungen des Landes verkünden seit langem schon, Blairs Regierung biete nur Show ohne Substanz. Auch würden die armen Medien von den allmächtigen Einflüsterern des Premiers unaufhörlich manipuliert. In Wahrheit läuft es andersherum. Die Regierung hat einiges an Substanz zu bieten, aber ihre Präsentation ist miserabel. Und die Presse ist unaufhörlich dabei, ihr eigenes Garn zu spinnen. Sie hat es geschafft, die öffentliche Wahrnehmung so sehr zu beeinflussen, dass die Arbeit der Regierung ganz im Nebel von reißerischen Schlagzeilen und Personality-Storys verschwindet. Eigentlich kann das Ken Follet nicht entgangen sein. Doch nichts macht bitterer als enttäuschte politische Liebe.