Der moderne Cicerone ist bunt, bildlastig, auf schnelle Information ausgerichtet und im Zweifelsfall handlich-dünn. Passend für den Kurzurlaub eben. Unter den Ausnahmen entfernt sich die Reisebuchreihe des Erlanger Michael Müller Verlags besonders weit von diesem Klischee. Die Bände sind prallvoll mit Informationen, optisch angenehm nüchtern, in der inneren Gewichtung erfreulich vielschichtig - aber auch entsprechend teurer als die schmalen 120-Seiten-Reiseführer anderer Häuser.

Michael Müller lebte in den späten Siebzigern in Südamerika und arbeitete als Reisebuchautor. 1979 machte er sich selbstständig - mit einem eigenen Verlag.

Der erste Titel war ein Portugal-Reiseführer. Mit seiner kargen Gestaltung und Textlastigkeit illustriert er das Motto der frühen Jahre: Hauptsache Infos, fürs Auge braucht nichts dabeizusein - das macht das Produkt nur teurer.

Drei Bände hat der heute 47-Jährige selbst geschrieben. Die frühen Titel lieferten, so Müller, auch Antworten auf die klassische Frage des Rucksacktouristen: Wie kann ich mit wenig Geld durchkommen? So wies er zum Beispiel auf Anlaufstellen für die Weinernte in Südfrankreich hin.

Von dieser Askese ist der Verlag, der inzwischen zwölf Mitarbeiter, einige Außenlektoren und insgesamt 35 Autoren beschäftigt, mittlerweile behutsam abgerückt. Die geografische Orientierung der frühen Jahre aber ist bis heute geblieben. Den Schwerpunkt der Berichterstattung bildet Europa, vor allem die Ferienregionen des Mittelmeers, aber auch Deutschland kommt nicht zu kurz.

Osteuropa hingegen fehlt fast völlig im Verlagsprogramm.

Griechenland und Italien werden nicht nur in jeweils einem Überblicksband, sondern auch in zahlreichen kleineren Einheiten abgehandelt. So ist zum Beispiel den größeren griechischen Inseln jeweils ein Reiseführer gewidmet.