Fakten haben es schwer - zumal, wenn sie Sand ins Getriebe einer spektakulären Story streuen würden. Wir lesen von einem beispiellosen Justizskandal in Bayern: Da übertüncht der Justizminister im Landtag mit einer - wie ein Schreiben des Landeskriminalamtes vom 12. April 1996 ja eindeutig belege - "wahrheitswidrigen Äußerung" die fehlende Mitwirkungsbereitschaft dieser Behörde bei der Rekonstruktion der Festplattendaten. Der "obrigkeitstreue" Generalstaatsanwalt lässt den Haftbefehl "zurückziehen" und ermöglicht so dem gesuchten Dr. Pfahls die Flucht. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg formuliert die "von oben" erbetene Bitte, dass das Verfahren in vier kleineren Verfahren über ganz Deutschland verteilt werden soll, auf dass die erlösende Verjährung greife.

Und weil das alles noch nicht reicht, wird schließlich der ermittelnde Staatsanwalt schnellstmöglich zum Richter am Oberlandesgericht befördert. Das sind ja dicke Dinger! Skandallüsternes Herz, was willst du mehr!

Mit störenden Fakten darf man es da natürlich nicht so genau nehmen, auch wenn die bereits seit langem auf dem Tisch liegen. Was macht es schon, dass der Justizminister die fehlenden technischen Rekonstruktionsmöglichkeiten des Landeskriminalamtes völlig richtig dargestellt hat und das Schreiben vom 12.

April 1996 mit der beschlagnahmten Festplatte überhaupt nichts zu tun hatte?

Wen interessiert es denn, dass sich Dr. Pfahls laut Angaben des Bundeskriminalamtes letztmalig am 16. April 1999 auf europäischem Boden befand, die Haftbefehle am 22. April 1999 erlassen wurden und die völlig sachgerechte Überprüfung der Haftbefehlsanträge durch den Generalstaatsanwalt im Zeitraum 28. bis 30. April 1999 erfolgte? Warum soll man auch klarstellen, dass die Staatsanwaltschaft Augsburg von sich aus die Abtrennung und Abgabe der Verfahren gegen die Beschuldigten Strauß, Leisler Kiep, Dr. Pfahls und Dr. Riedl befürwortete, was auf Bitte des Justizministeriums jedoch unterblieb? Wen auch das nicht interessiert, der mag sich wenigstens fragen, warum es das scheinbar übermächtige Ministerium nicht schafft, eine solche Abtrennung durchzusetzen.

Noch etwas. Kann man in Bayern wirklich gegen seinen Willen befördert werden?

Hat Justizminister Dr. Weiß immer noch nicht oft genug klargestellt, dass der angeblich unliebsame Ermittler nur und erst dann befördert werden kann, wenn der Fortgang des Verfahrens dadurch nicht beeinträchtigt wird? Viele, viele Fragen. Eine Kampagne gegen die bayerische Justiz? Die Zeit wird es weisen.