Am kommenden Montag folgt der nächste Akt im Fusionsdrama von Dresdner und Commerzbank. Dann treten, so sieht es das Drehbuch vor, neue Akteure auf den Plan: die Aufsichtsräte der Commerzbank. Auf ihrer turnusmäßigen Sitzung wollen die Aufseher vom Vorstandssprecher der gelben Bank, Martin Kohlhaussen, endlich über den Stand der Sondierungsgespräche mit den Frankfurter Nachbarn aufgeklärt werden. "Ich erwarte schon, dass in der Sitzung auch Details aus den Gesprächen mit der Dresdner dargelegt werden", sagt Uwe Foullong, der für die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) im Kontrollgremium der Commerzbank sitzt.

Schon länger wird in Bankenkreisen spekuliert, dass Kohlhaussen auf dieser Sitzung auch die Zustimmung des Aufsichtsrates zur Aufnahme offizieller Fusionsverhandlungen einholen möchte. Beide Banken hatten in den vergangenen Wochen erkennen lassen, spätestens bis Ende Juli zu entscheiden, ob es zu einer völligen Verschmelzung beider Institute oder nur zur Zusammenarbeit in Teilbereichen kommt. Eine Vollfusion wird von den Gewerkschaften eher kritisch gesehen. "Bis zu 25 Prozent der Arbeitsplätze", schätzt HBV-Experte Foullong, könnten in beiden Geldhäusern "über mehrere Jahre hinweg" abgebaut werden. Bei zusammen rund 80 000 Beschäftigten wären das immerhin 20 000 Stellen. Kein Wunder, dass es den Gewerkschaften lieber wäre, wenn Kohlhaussen an seinen ursprünglichen Plänen festhalten würde: in Europa zu kooperieren, statt in Deutschland zu fusionieren. Dann stünden, so das Kalkül, weit weniger Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Interessanterweise ist das genau jene Position, die auch der vermeintlich böse Bube im Fusionsdrama, Hansgeorg Hofmann, einnimmt. Der Geschäftsführer des Commerzbank-Großaktionärs Cobra hat nie einen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht: dass in der Cobra gebündelte Aktienpaket - nahezu ein Fünftel der gelben Bank - am liebsten an einen ausländischen Investor loszuschlagen. Das wiederum heizte in den vergangenen Tagen die Spekulationen darüber an, wie Kohlhaussen und sein Mitspieler in der Dresdner Bank, Vorstandsprecher Bernd Fahrholz, doch noch zum gewünschten Ergebnis kommen könnten.

Von einem Übernahmeangebot der Dresdner an die Commerzbank wollten Eingeweihte genauso erfahren haben wie von einem stattlichen Preis in Höhe von 45 Euro je Commerzbank-Aktie, den die Dresdner der Cobra geboten habe und den Hofmann nicht ablehnen könne. Die Dementis folgten prompt. Klar ist nur: Die Commerzbank kommt an ihrem ungeliebten Großaktionär genauso wenig vorbei wie die Dresdner an ihrem größten Anteilseigner, der Allianz. Und so dürfte alles auf eine Lösung zusteuern, an die heute noch niemand denkt.

Cobra-Geschäftsführer Hofmann jedenfalls mutmaßte bereits: "Vielleicht machen sie etwas, wovon noch niemand geträumt hat."