Zu den vielen hässlichen Vermutungen über das Finanzgebaren der CDU, die sich begründen, aber bislang nicht zweifelsfrei beweisen lassen, gehört diese: dass einige jener Millionen auf den Konten der Partei, deren Herkunft die CDU nicht erklären kann, aus dem Erbe der Geldwaschanlage Staatsbürgerliche Vereinigung (SV) stammen.

Offiziell endet die Geschichte dieser dubiosen Institution, deren Fall im Zuge der Flick-Affäre in den Achtzigern die Republik erschütterte, im Juli 1990 mit einem Eintrag im Vereinsregister des Amtsgerichts Köln. "Der Verein ist wegen Mitgliedlosigkeit erloschen." Mittellos jedoch war er zu diesem Zeitpunkt nicht. Acht Millionen Mark lagerten noch auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein. Wohin sie später abgebucht wurden, ist nicht bekannt.

Doch eine neue Spur führt, man ahnt es schon, zur CDU. Am 18. Juli 1998 wurde der ehemalige Finanzbevollmächtigte der Partei, Uwe Lüthje, durch ein Schreiben des Kölner Anwalts Wolfgang Arndt aus seinem Rentnerdasein gerissen. Arndt spürte als "Abwesenheitspfleger" im Auftrag des Kölner Amtsgerichts den verschwundenen Millionen der SV hinterher. Ihn interessierte, ob die CDU nach 1979 noch Geld aus dieser Quelle erhalten hatte. Seinem Gesprächspartner bot Arndt an, "dass die Kontaktaufnahme vertraulich erfolgt und für den Fall, dass Sie mir geeignete Informationen geben können, Dritte von Ihrer Berichterstattung nichts erfahren müssen".

Hätte die CDU nichts zu verbergen, dann hätte Lüthje auf dieses Ansinnen mit großer Gelassenheit reagieren können. Stattdessen alarmierte er noch am selben Tag den CDU-Schwarzkontenverwalter Weyrauch und seinen Anwalt Heinrich Schumacher. Dessen schriftliche Antwort liegt der ZEIT vor: "Das Schreiben von Herrn Arndt beunruhigt mich ... Stellen Sie sich aufgrund einer Indiskretion die Schlagzeile vor: Muß CDU Millionen an unrechtmäßig erhaltenen Spendengelder zurückzahlen? Und das in der jetzigen Situation!"

Damals, mitten im Bundestagswahlkampf, dürfte diese Vorstellung den CDU-Leuten wenig behagt haben. Lüthjes Anwalt riet ihm zu einem probaten Mittel: "Halten Sie sich absolut bedeckt. Leiden Sie von mir aus an Gedächtnisschwäche. Was Ihnen dann nach dem Wahltermin alles wieder einfällt, ist eine andere Sache."

Die Wahl ist vorbei, ob Lüthjes Gedächtnisschwäche anhält, bleibt abzuwarten.

Vor Gericht, so hat er angekündigt, geht "meine Solidarität mit meiner Partei und dem Ersten Prinzipal (gemeint ist Kohl, Anm. d. Red.) nicht so weit, dass ich zu irgendwelchen uneidlichen Falschaussagen bereit wäre".