Bei den allerersten Tieren, die sich uns per Bilderbuch nähern, schätzen wir vor allem den Effekt des Wiedererkennens. Er wird ausgiebig gefeiert.

Durch unersättliche Stimmenimitationen. Zwei, drei Jährchen reifer, auf den Geschmack gekommen durch den einen oder anderen Zoobesuch, ahnen wir, dass die alten Lieblinge nur die Vorhut gewesen sind. Ach, hätte einem damals jemand einen Zötl geschenkt!

Dieser Sehnsucht eingedenk, suchte ich, viel später, wieder etwas in dieser Richtung, diesmal für ein ins Bett verbanntes Kind, knapp fünf Jahre alt.

Alles, was ich fand, war ein antiquarischer Bildband mit schwarzweißen Tiefdruckfotos eines tschechischen Zoodirektors. Nach einer Weile ging ich nachgucken. Das Kind sah und hörte mich nicht. Es glühte mit den Augen förmlich Löcher in die Seiten. Es spazierte durchs Paradies und machte sich bekannt. Als es fertig war, fing es von vorne an. Jetzt fragte es nach Namen: "Gerdltier" und "Bafian", Stachelschwein und Dromedar und so weiter.

Spaziergang ins Paradies heißt denn auch ein Bilderbuch der neuen Aufbau-Reihe für Kinder, ausgestattet mit wundersamen Aquarellen des österreichischen Färbermeisters und Sonntagsmalers Aloys Zötl (1803 bis 1887).

Wahrscheinlich hat er die meisten seiner Modelle nie in natura gesehen und ihr Abbild nur aus zweiter Hand auf sich wirken lassen, sodass seinen Blättern etwas von den Skizzen reisender Naturforscher anhaftet, die flüchtig Geschautes nachher im Zelt so treu wie möglich festzuhalten suchten. Im Gestalten der Hintergründe aber verrät sich Zötls ureigenes künstlerisches Empfinden. Jede Landschaft scheint speziell für das betreffende Tier entworfen und seiner Erscheinung, seinem Temperament angepasst ohne pragmatische Einschränkungen.

Da wälzt sich im Palmengelände von Badezimmerkachelgrün und -blau die Pythonschlange, ihr zur Seite blaue Bäumchen wie auf chinesischem Porzellan, der Leib selbst Kunstgebilde aus unzähligen Mosaikteilen - ein Eindruck von Eleganz und Kühle. Während der Elch, dem Norden und der Kontemplation verpflichtet, Kreidefelsen à la Rügen und einen mit Wasserrosen bewachsenen See für sich hat. Vom Gewicht des Nashorns erzählt die niedergetrampelte Vegetation (daran muss einer erst mal denken!)