Bei einer Reise durch Zentralasien traf Regis Wargnier Anfang der neunziger Jahre zufällig einige Männer und Frauen, die fließend Französisch sprachen - Kinder aus russisch-französischen Mischehen, die nach 1945 mit ihren Eltern in die Sowjetunion zurückgekehrt sind. So kam er auf die Spur von Personen, die gewissermaßen in die falsche Richtung geflohen sind, vom Westen in den Osten. Wargniers Film Est-Ouest erzählt die Geschichte von Marie (Sandrine Bonnaire), einer Französin, die mit ihrem russischen Ehemann (Oleg Menshikov) und dem gemeinsamen Sohn 1946 in die Sowjetunion übersiedelt. Bereits die ersten Szenen zeigen den stalinistischen Horror der Nachkriegsjahre in einer Deutlichkeit, gegen die man sich instinktiv wehrt: Ist das nicht zu plakativ?

Doch natürlich ist jede gezeigte Untat durch Zeugenaussagen und Recherchen belegt. Die historische Dimension ist aber nur eine Facette dieses faszinierenden Films. In unerwarteter Komplexität wird das Scheitern der Ehe und Maries Liebe zu einem jungen Schwimmer (Ruben Tapiero) gezeigt. Wargnier gelingt es, die epische Breite seiner Geschichte und ihrer historischen Dimension mit der kammerspielartigen Intensität eines Beziehungsdramas zu versöhnen, ohne dabei seine Freude an hervorragender Bildgestaltung zu vernachlässigen. So etwas gelingt in Europa nur wenigen Regisseuren.