"Kann man ehrgeizig genug sein?", fragt sich der britische Star-Architekt Sir Norman Foster. Was soll man da schon antworten: Natürlich nicht! Wenn der Mann mit dieser rhetorischen Frage bloß nicht ausgerechnet seine brandneue "Millenniumsbrücke" (320 Meter, 57 Millionen Mark Kosten) in London gemeint hätte. Das ist ein besonders schöner Fußgängerüberweg von der St. Paul's Cathedral über die Themse bis zur neuen Tate-Galerie für moderne Kunst, und man konnte nach ihrer Eröffnung kürzlich auch tatsächlich drei Tage lang darauf herumlaufen. Jetzt krabbeln nur noch Ingenieure aus aller Welt an dem Bauwerk herum, Hydraulikexperten werden eingeflogen und Foster gibt Pressekonferenzen: Die vielen Besucher hatten einen ganz schön fehlerhaften Gang. Jedenfalls hat die Brücke zu sehr gewackelt, wie man es schon so schön von Fosters vibrierender Reichstagskuppel ("Rüttel-Reichstag") kennt.

Wenigstens zieht der Architekt seine Lehren: "Die Leute sollen mich lieber überambitioniert nennen als kleingeistig." Keine Sorge: Fosters neuestes Bauwerk wird ein Hochhaus mitten im Londoner Finanzzentrum mit einer besonders eigenwilligen, um nicht zu sagen: spektakulären Form. Das spiegelglatte, glasverkleidete Ding mit 42 Stockwerken könnte man grob als zigarrenförmig bezeichnen, es ist oben merkwürdig rund und würde damit einigermaßen gewagt aus der ehrwürdigen Londoner City ragen. Noch steht das Bauwerk nicht, noch wackelt es auch nicht, aber der britische Volksmund hat schon einen hübschen Spitznamen für das neueste Geschöpf des Fosterschen Ehrgeizes gefunden: die "erotische Gurke".