Diese Frage ärgert mich. Ich verreise nämlich gern mit leichtem Gepäck, und ich komme auch verdammt gern mit genauso leichtem Gepäck nach Hause. Als Rechtfertigung bringe ich im Notfall Heines Verse von den Zöllnern vor: Ihr Toren, die Ihr im Koffer sucht! Hier werdet Ihr nichts entdecken! Die Contrebande, die mit mir reist, die hab ich im Kopfe stecken.

Immer noch besser, mit einem Berg frisch erworbener Vorurteile die Heimreise anzutreten, als mit all diesen malaysischen Kühlschränken, der mediterranen Keramik und den mexikanischen Sombreros, die die Gepäckfächer jedes Flugzeugs so raumgreifend verstopfen, dass ich mit meiner Zahnbürste nicht mehr weiß, wohin.

Die unbezähmbare Gier nach Reiseschnäppchen finanziert heute indirekt ganze Megaflughäfen und Kreuzfahrtschiffe. Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass jeder dritte Andenkenladen auf der Welt heutzutage Koffer verkauft und dass die angebotenen Reisetaschen es beim Fassungsvermögen mit dem Kofferraum eines VW Golf aufnehmen können? Das sagt doch alles!

Auch ich erlag neulich auf dem Kopenhagener Flughafen der Versuchung, meinen Sohn bei der Heimkehr mit einem Mitbringsel zu bestechen. Papi hat Dir aus Legoland Schienen für deine Lego-Eisenbahn mitgebracht! Der aufwändig verpackte Karton interessierte Justus nur mäßig, und die Gleise hätte ich auf der Hamburger Osterstraße viel billiger haben können.

Dass man seine Mitbringsel nicht nur kaufen, sondern auch schießen kann, ist eine Erfahrung, die ich eher zufällig machte. Mein Koffer hatte offenbar in Frankfurt seinen Anschluss verpasst, also reihte ich mich in die Schlange vor dem Nachforschungsschalter ein. Vor mir drei standesgemäß gekleidete Waidmänner in Knickerbockern und grünen Lodenjacken. Den Herrschaften waren auf der Rückreise aus Kanada ihre wertvollen Trophäen und eine Jagdflinte abhanden gekommen. Was auf den ersten Blick wie ein Routinefall erschien, entpuppte sich im weiteren Verlauf der Recherche als harte Nuss. Jedes Mal, wenn die Kollegin den Suchbegriff Geweih eingab, antwortete ihr Computer mit Error. Entnervt von der ergebnislosen Nachforschung, gab die Lufthansa-Repräsentantin die Frage an ihre zunehmend erheiterte Warteschlange weiter: Kennt jemand ein Synonym für Geweih?

Also drängte ich nach vorn und schleuderte der ratlosen Dame meine ganze lexikalische Weisheit entgegen: paarig ausgebildete Stirnwaffe der Hirsche für Brunst- und Abwehrkämpfe. Sie tippte dankbar mit zehn Fingern ein.

Daraufhin brach der Lufthansa-Zentralrechner für mehrere Stunden zusammen.