Welch ein Glück, dass wir dieses Ostdeutschland haben. Aus welchem Reservoir sonst sollte man schöpfen, wenn einem die letzten rhetorischen Raffinessen ausgegangen sind?

Nachdem Andrea Böhm ein kriegerisches Szenario schildert, folgt (am Ende der ersten Spalte): "Dies sind keine Jagdszenen aus Ostdeutschland. Elmshorn liegt dreißig Kilometer von Hamburg entfernt in Schleswig-Holstein."

Schließlich sind die "Jagdszenen aus Ostdeutschland" ein jederman geläufiges Idiom, welches anzuzweifeln nur dem letzten träumenden und realitätsfremden Leser einfallen kann.

Unter der Überschrift Wieder ein Toter schafft es Toralf Staud sogar schon im Untertitel, die Gewalt im Osten zum Terminus technicus zu erheben. Mit Sätzen wie "Deutschland scheint sich daran gewöhnt zu haben, dass es im Osten für fremd Aussehende gefährlich ist", wird dieses Bild als immer selbstverständlicher suggeriert. Wo ist der reflektive Journalismus, der nicht nur die wild gewordenen Aborigines des Ostens betrachtet, sondern erkennt, dass Gewalt (insbesondere die gegen fremd Aussehende) zu einem gesamtdeutschen Problem geworden ist? Was ist mit der Tendenz zur alltäglichen Ausländerfeindlichkeit, die sich nicht in körperlicher Gewalt äußert, aber fast noch gefährlicher, da als selbstverständlich verstanden und/oder unbewusst ausgeübt, ist?

Es bleibt zu hoffen, dass die angekündigte Dokumentation des "kaum noch Wahrgenommenen" "in den nächsten Monaten, bis zum Herbst" nicht dazu führt, dass das Ende des Sommerlochs mit einer ZEIT-Aktion zum Wiederaufbau eingeläutet wird.

Roland Jesse, Magdeburg

Ich möchte Sie bitten, mir als etwas verwirrtem Leser eine Definition des Wortes "rechts" zu geben. Der politische Sinn von "rechts" ist mir klar.