Kein Zweifel, José Bové ist in kurzer Zeit berühmt geworden. Nicht nur in seiner Heimat Frankreich, sondern weltweit wurde der Bauernführer zum Symbol für den Kampf gegen die Auswüchse der Globalisierung. Dabei ist sich der kleine Mann mit dem markanten Seehund-Schnauzbart treu geblieben. "Seit 25 Jahren führen wir diesen Kampf", sagt er. Und in der Tat, Bové hat sich schon mit vielen mächtigen Gegnern angelegt.

Anfang der Siebziger besetzt der Kriegsdienstverweigerer mit seiner Frau Alice einen Bauernhof im südfranzösischen Larzac, einer Region, die Alternative und Aussteiger anzieht und für ihre Tradition des zivilen Widerstandes bekannt ist. So hilft er die Ausweiterung eines militärischen Sperrgebiets zu verhindern. 1987 setzt der Intellektuelle, der lieber Schafe hüten wollte, als in einem Büro zu versauern, dem etablierten Bauernverband FNSEA eine linke Organisation entgegen, die Confédération paysanne. 1995 fährt er auf der Rainbow Warrior nach Mururoa, um gegen die Atomtests Frankreichs im Pazifik zu demonstrieren.

So protestiert Bové ein Vierteljahrhundert lang fast unbemerkt von der großen Öffentlichkeit. Bis er am 12. August 1999 in der südfranzösischen Kleinstadt Millau mit einigen Freunden die Baustelle eines McDonald's-Restaurants demoliert. Drei Wochen sitzt er dafür in Untersuchungshaft. Ein Bild geht um die Welt: Bové reckt die mit Handschellen gefesselten Hände in die Höhe. Mit Bové bekommt eine diffuse globale Bewegung von Gegnern multinationaler Unternehmen ein Gesicht. Ein Gesicht, in das sich tiefe Krähenfüße graben, wenn es lacht. Die Pfeife im Mundwinkel gehört dazu, in der Kneipe, auf dem Feld, auf Pressekonferenzen, nur nicht im Gerichtssaal.

Im persönlichen Kontakt ist der Mann direkt, aber freundlich. Gestus und Stimme strahlen Sicherheit aus. Wenn er vor seinem Publikum erklärt, warum er gegen "la mal-bouffe" ist, den industriell gefertigten Einheitsfraß, verfällt er nicht in den Demagogenton. Er versucht, argumentativ zu überzeugen. "Die Interessen der Bevölkerung müssen bei der Wahl der Produktionsweise im Mittelpunkt stehen", sagt er und schlägt den großen Bogen: "Ernährung und Gesundheit dürfen nicht zum Profitfaktor werden. Deshalb muss die Bevölkerung die weltwirtschaftlichen Strukturen kontrollieren, was voraussetzt, dass wir die Funktionsweise von Institutionen wie der Welthandelsorganisation demokratisieren."

Auch Premier und Präsident buhlen um Bové

Bové ist Bauer und Intellektueller zugleich. Er spricht nicht den harten Akzent des Midi, sondern das gefälligere Französisch der Städter - und fließend Englisch. Der kleine Joseph lebte in Kalifornien, wo seine "eher rechten" Eltern an der Berkeley University forschten. Er ziert nicht nur die Titelseiten französischer Blätter, auch die New York Times brachte ihn groß auf Seite eins. Der US-Sender CBS will ihm eine ganze Stunde widmen. Das US-Wirtschaftsmagazin Business Week zählt ihn sogar zu den 50 wichtigsten Europäern.

Frankreichs Premier Lionel Jospin dinierte nach anfänglichem Zögern mit ihm, und Präsident Jacques Chirac lud ihn zum Kamingespräch. Daniel Cohn-Bendit, 1968 selbst Führer einer Protestbewegung, will ihn als Präsidentschaftskandidaten der Grünen aufstellen. Neonazis fordern im Internet die "Höchststrafe" für den "Kosmopoliten", den sie anfangs noch für sich gewinnen wollten.