Es mag sein, dass ich Frankreich kritischer gegenüberstehe als etwa Großbritannien: doch bin ich längst nicht so kritisch wie die französisch sprechenden Bewohner der Westschweiz gegenüber der politischen Klasse in Paris. Ich selbst habe üble Methoden von höchster Stelle dort erfahren müssen. Aber ich bewundere den großen General, je älter ich werde. Ich bin nicht stolz darauf, als führender Franzosenfeind herausgestellt zu werden, vielmehr schmerzt es mich sogar ein wenig. Von meinem Geschichtsbewusstsein her bin ich profranzösisch eingestellt, auch wenn mir das dauernde "Kikeriki-Geschrei" der Grande Nation etwas auf die Nerven fällt.

Im Süden Frankreichs, wo ich mich gerne aufhalte, hindert mich nur meine Faulheit, mit allen Schichten gut Freund zu sein. Ich treffe den Akzent ganz passabel, was im Englischen überhaupt nicht der Fall ist, aber es fehlt mir auch an der notwendigen Zeit und dem notwendigen Willen, umstandslos kommunizieren zu können. Über die französischen Handwerker dort wird man von mir nur Gutes hören.

Rudolf Augstein, Hamburg Herausgeber "Spiegel"