der sowjetische Ortskommandant Pontij ist nach dem italienischen Filmproduzenten Carlo Ponti geschaffen - "dicklich, kleiner runder Kopf, kurze Gliedmaßen"

Anspielungen des lesewütigen Erzählers werden über Shakespeare bis zu Cicero verfolgt), denkt der Leser an das andere große Unternehmen der Erschließung von Johnsons Werk. In Frankfurt am Main arbeitet seit Jahren Eberhard Fahlke mit seinen Helfern vom Johnson-Archiv an einer CD-ROM-Edition, die wegen der schwierigen Bildrechte noch nicht abgeschlossen werden kann. Dann wird man, auf Knopfdruck, sehen können, welche Text- und Bildvorlagen Johnson in sein Werk eingearbeitet hat.

Was Treue heißt zu Personen, wie Uwe Johnson sie gelebt hat, was (philologische) Genauigkeit bedeutet, bis in kleinste Daten, beweist Rainer Paasch-Beeck in seinem Versuch, einen Großvater zu finden, im eben erschienenen Sonderheft über Johnson, der Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern, Risse.

Wo andere, auch Johnsons Biograf, von einem "alten Schweden" als Ahnherrn der Johnsons faseln und falsche Daten, Ort und Personen vermengen, hat Paasch-Beeck die Mühe nicht gescheut, in Archiven und Dachkammern zu stöbern, lähmend ergebnislose Tage über Kirchenbüchern und Kanzleiakten zu verbringen - und ist fündig geworden.

Ja, es gibt den August Nicolausson Mård, Arbeitsmann zu Neu-Sammit, geboren zu Algutsboda in Kronobegslän am 12. Januar 1844, der sich später Johns(s)on nannte, doch ist sein Verhältnis zur Familie anders als bisher vermutet. Hier muss die Geschichte der Johnsons neu geschrieben werden.

Das Sonderheft Risse entzückt noch mit anderen Überraschungen, die einem Erzähler Recht geben, der strenge Maßstäbe für den Wirklichkeitsgehalt seiner Prosa gewahrt sehen wollte: "Jeder sachliche Irrtum ..., jede Schlampigkeit in der Arbeit ... gilt als Grund zur Beschwerde ..., in den schwersten Fällen zur Verwandlung des Buches in Altpapier."

Der auch von vermeintlich großen Kritikern wenig geschätzte Erzähler Uwe Johnson, der durch die Vereinigung neue Wahrheit für sein deutsch-deutsch-amerikanisches Epos gewonnen hat, wird noch lange brauchen, bis er dort ankommt, wo ihm ein Ehrenplatz sicher ist - in der deutschen Literatur nach 1945. Bis dahin gilt, was eine junge Frau in Jahrestagen fordert für das verkannte Werk eines zu früh gestorbenen Meisters deutscher Dichtung: "Und ein Zimmer zum Weinen brauchen wir auch noch."