Das archäologische Reiselexikon Antike Stätten am Mittelmeer (Hrsg. Kai Brodersen, Metzler Verlag, Stuttgart 1999, 876 S., 78,- DM) gehört zu jenen Büchern, bei deren Erscheinen man sich erstaunt fragt, wieso es sie nicht längst gab. Darin sind die bedeutendsten antiken Stätten, dem klassischen Periplus folgend (Rundreise ums Mittelmeer, beginnend in Spanien und endend in Tanger), knapp mit Karten, Geschichte, Literatur und wichtigsten Schaustücken vorgestellt. Ein neuer Pausanias also, allerdings konzentriert auf die sichtbaren Monumente. Das sind in erster Linie die Hinterlassenschaften der Römer und Griechen, doch gelegentlich werden auch keltische oder steinzeitliche Monumente ins Auge gefasst. Gemeinsam mit dem ebenfalls bei Metzler erschienenen Band Mensch und Landschaft in der Antike (hrsg. von Holger Sonnabend, 1999, 672 S., 98,- DM), der Raumbewusstsein, Lebensweise und Kultur der Antike lexikalisch erschließt, hat der Reisende ein Doppelkompendium zur Hand, das die frühe europäische Kultur exemplarisch erschließt. Wünschen würde man sich allerdings für die Neuauflagen eine klarere Reaktion von Herausgebern, Lektorat und Autoren darauf, dass die klassische Antike ihre kulturelle Vorbildfunktion verloren hat und nicht mehr uneingeschränkt als verpflichtende Traditionsquelle gilt. Das könnte einen weniger akademischen Duktus der Texte und bessere Abbildungen zur Folge haben und so den Reiz erhöhen, sich mit den Ursprüngen Europas auseinander zu setzen.