im Hauptberuf Finanzvorstand der DaimlerChrysler AG, ist in die Funktion als Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der Zwangsarbeiter - wie er sagt - "so reingerutscht". Und die Initiative selbst sei eine der "merkwürdigsten" Organisationen, die es in der Bundesrepublik gebe. Für einen deutschen Juristen eigentlich unvorstellbar: ein Gebilde ohne Rechtsform, das inzwischen Konten mit Milliardenbeträgen verwaltet. Der studierte Jurist bekennt: "Ich verhandle ohne jedes Mandat."

Die Stiftungsinitiative "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" wurde im Frühjahr des Jahres 1999 von zunächst 12, dann von 16 Unternehmen gebildet, nachdem NS-Zwangsarbeiter mit Hilfe amerikanischer Anwälte in den Vereinigten Staaten Klagen auf Entschädigung eingereicht hatten. Gentz wurde der Chefunterhändler für die deutsche Wirtschaft neben dem FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff, der von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Regierungsbeauftragten für die Verhandlungen mit der US-Regierung und den Anwälten der Opfer und ihrer Angehörigen berufen wurde.

Was bewegt den Topmanager eines Weltkonzerns, neben seinem Full-Time-Job einen solchen nervenaufreibenden Posten zu übernehmen? Gentz, Jahrgang 1942, dessen Vater in sowjetischer Kriegsgefangenschaft starb, besuchte in Berlin ein Gymnasium, an dem "sehr aktiv" über den Nationalsozialismus und die übrigen Formen des Totalitarismus diskutiert wurde, wie er sich erinnert.

Außerdem hatte seine Mutter, eine Zahnmedizinerin, immer Kontakt zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Berlin.

Beruflich wurde Gentz, damals schon Vorstandsmitglied von Daimler-Benz, in den achtziger Jahren mit dem düsteren Kapitel der Firmengeschichte konfrontiert, als ehemalige Zwangsarbeiter klagten. Gemeinsam mit dem damaligen Vorstandschef Edzard Reuter sorgte er dafür, dass das bis dahin vernachlässigte und verschwiegene Thema von Historikern aufgearbeitet wurde.

Sein Motiv für die Verhandlungen namens der deutschen Wirtschaft mit den Amerikanern fasst er in einem Satz zusammen: "Wir sollten etwas für die deutsche Wirtschaft tun, was eine rechtliche Befriedung herbeiführt und was die deutsche Wirtschaft im Ausland weniger angreifbar macht, weil sie sich das erste Mal gemeinsam und offen zur eigenen Geschichte bekennt."

In dem Ziel war er sich mit Lambsdorff einig, in wichtigen Verhandlungspunkten jedoch nicht, auch nicht in der Gesamtsumme der Entschädigung. Fünf Milliarden Mark als Beitrag der Wirtschaft waren Gentz "natürlich zu viel", räumt Lambsdorff freimütig ein. "Ich habe mir keine Freunde in der Wirtschaft gemacht, als ich den Betrag hochgetrieben habe, damit wir insgesamt zehn Milliarden Mark bieten konnten." Gentz dagegen ist überzeugt, dass ein Kompromiss auch bei acht Milliarden Mark zu erreichen gewesen wäre, wenn Lambsdorff weniger nachgiebig gewesen wäre - der Daimler-Manager kann, bei aller Zurückhaltung und Konzilianz im Umgang, hart und zielstrebig verhandeln.