Otto Dix und Conrad Felixmüller: Freunde fürs Leben konnten sie nicht sein.

Eher waren sie ein kurzes, kollegiales Kontrastprogramm, als es in den frühen zwanziger Jahren darum ging, eine neue scharfe Sicht auf die Wirklichkeit im beschaulichen Dresden durchzusetzen. Dix, der Künstler eines menschlichen Pandämoniums, traf dort auf den etwas jüngeren, von pazifistischen linken Ideen erfüllten Felixmüller. Der lehrte den in vieler Hinsicht armen Dix Praktisches wie die Technik des Radierens zum Zwecke wirtschaftlichen Überlebens und nannte ihn in einem hellsichtigen Text von 1920 einen Mann von "großer instinktiver Psychologie", der mit dem "Messer im Blutbauch zeichnen" könne. Felixmüller dagegen, weit entfernt von solche irrlichternder Art, arbeitete damals an seinem Bild vom neuen Menschen und einer bescheiden idealen Welt. Halbwelt auf Papier, die Ausstellung im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf (bis 13. August, Katalog 39,- DM) macht auf die heute kaum noch bekannte Künstlerfreundschaft aufmerksam - mit Höhepunkten immer noch aufregender Beispiele Dixscher Formfindung zwischen 1917 und 1926. Die Spannung schwindet, wo die Schau ihr im Titel fixiertes Terrain heilen Welten überlässt. So problematisch wie die Begegnung des frühen mit dem späten Dix ist auch das Aufeinandertreffen des böse trunkenen Veristen mit dem vergleichsweise milden Sozialreformer Felixmüller. Dessen Porträtzeichnungen und wackere Vorstadt-Aquarelle haben Dix' greller bildnerischer Wollust gegenüber ebenso wenig eine Chance wie das von Obsessionen gereinigte Spätwerk von Dix selbst.