Vor zehn Jahren wurde es still in deutschen Portemonnaies. "Hallo, guten Morgen, grüß Gott", hatte es uns bis dahin aus den Geldbörsen entgegengeschallt. Es war Begrüßungsgeld - jener Hunderter also, der den Ostdeutschen gezahlt wurde, wenn sie in den Westen kamen. Mit der Währungsunion im Juli 1990 verstummte die freundliche Begrüßung. Für uns Narren ist das Anlass genug, einmal nachzurechnen, was aus dem Geld zweier bekannter Neufünfländer geworden ist, nachdem sie es zur Begrüßung der neuen Wirtschaftsordnung am Aktienmarkt angelegt hatten.

Da ist zum Beispiel der bei Pionieren und FDJlern beliebte kleine Trompeter - ein Musikus, der fester Bestandteil sozialistischen Liedguts gewesen war. Was ist mit seinen eins zu eins umgetauschten Ersparnissen von 3000 Mark passiert, nachdem er mit ihnen an die Börse marschiert ist? Bei Einführung der D-Mark in den neuen Bundesländern stand der Dax bei 1880 Punkten, heute bewegt er sich in der Gegend von 7000 Zählern. Aus dem Geld sind also mehr als 11 000 Mark geworden. Damit kann er den Versicherungsgesellschaften, deren Drückerkolonnen nach Einführung der Hartwährung heuschreckenartig über die neuen Bundesländer herfielen und den Menschen völlig überflüssige "Geldanlagen" andrehten, heute ordentlich den Marsch blasen.

Auch Fritz, der Traktorist, viel besungenes Musterbeispiel für sozialistische Werktätige, hat mit vorbildlicher Sparplanerfüllung eine ordentliche Ernte eingefahren, weil er in einen Fonds für deutsche Aktien investierte: Nach Angaben der Fondslobby brachte selbst eines dieser traditionell schlecht performenden Produkte bei einer Einzahlung von 100 Mark im Monat in zehn Jahren ein Vermögen von mehr als 30 000 Mark.

Ja, unsere Landsleute aus dem Osten haben uns gelehrt, wie man mit seinem Geld umgehen sollte. Ihre Propagandaerfahrung ließ sie gelassen die Prophezeiungen der Weltuntergangsagitatoren ignorieren, die anlässlich der Golf-, Asien- und Russlandkrise immer wieder die globale Pleite vorhersagten.

Zum Glück haben auch viele Wessis mittlerweile verstanden, dass die Börse trotz gelegentlicher Korrekturen langfristig die beste Verwahrstelle für unsere Ersparnisse ist.

Wenn die heute 30-Jährigen auf ihren Gehaltszettel schauen, sollten sie sich daran erinnern. Im Gegensatz zum Begrüßungsgeld zahlen sie regelmäßig Bye-bye-Money: in Form von Rentenversicherungsbeiträgen. Keiner von ihnen kann erwarten, diese Zahlungen im Ruhestand mit halbwegs anständiger Verzinsung zurückzuerhalten. Noch grübeln unsere Politiker, wie die Werktätigen eine private Zusatzvorsorge gestalten sollen. Vielleicht sollten sie einfach bei unserem sozialistischen Blasmusiker oder seinem Kollegen aus der Ex-LPG nachfragen.

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