Weltpolitik und Ethos", Hans Küng und Tony Blair im Dialog - so stand es auf der Tübinger Einladung. Der Ministerpräsident eines Landes, dessen Bürger in ihrem Unterbewusstsein noch immer die Erinnerung an Englands überragende Stellung als Weltmacht hegen und die darum Einschränkungen ihrer nationalen Unabhängigkeit nicht hinnehmen wollen - ein solcher Staatsmann im Dialog mit Hans Küng, dem Entdecker und Verfechter des globalen Weltethos, das ist interessant.

Ob Blair in Deutschland ein Gegengewicht gegen Präsident Chiracs Rede setzen will, mit der jener die Beziehung Paris/Berlin so stark betonte? Blairs Rede war wirklich epochal, denn sie brachte die von Grund auf veränderte englische Haltung zu Europa zum Ausdruck.

Der Premier wirkt sympathisch, aber zunächst nicht eindrucksvoll. Bald bemerkt man jedoch seine verhaltene Dynamik, staunt über seine Gabe, komplizierte Probleme nicht durch Vereinfachung, sondern durch Vertiefung dem Publikum verständlich zu machen, und bewundert seine rasche Intelligenz und seinen Charme.

Wird die Zukunft den Optimisten - Blair nennt sie Modernisten - gehören, die ihm vor drei Jahren zugejubelt haben, oder den Pessimisten - er nennt sie Traditionalisten -, die jetzt nörgeln, weil sie finden, dass er zu viel versprochen hat? Veränderung muss sein, sagt Blair, "aber Veränderung ist nur im Verbund mit anderen, nicht allein zu überstehen".

Und damit ist er bei dem Wort "Community" - Gemeinschaft. Gemeinschaft mit den Nachbarn. "Nur wenn man weiß, man ist nicht allein, kann man ohne Angst der Zukunft entgegensehen."

Vom Thema "Community" ist es nur ein Schritt zum Thema "Europäische Union".

Blair verlangt, dass Großbritannien ein vollwertiger und führender Partner in Europa sein muss. "Europa ist keine Verschwörung gegen uns, sondern eine Gelegenheit (opportunity) für uns."