Fast wären wir darauf reingefallen. Auf die Behauptung, dass die Khuza von einem fürchterlichen Frust gequält wurden, weil sie glaubten, der Welt sei die Mitte abhanden gekommen. Schließlich wurde uns das Volk der Khuza im Gropius-Bau ja wärmsten nahe gebracht. Auf der teuersten Ausstellung, die Berlin je gesehen hat. Viel bedeutender noch als die Expo, wie der Spiegel schreibt. Nun erfahren wir, dass alles ein übler Scherz war. Dass es die Khuza niemals gegeben hat. Genauso wenig wie die tollen Interviews im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Und wie Big Brother im Fernsehen.

Überall Lug und Trug. Da fällt uns natürlich sofort unsere liebe Steuererklärung ein. Und die Bundesregierung. Die hat ja vor, den Spitzensteuersatz zu senken. Das klingt nicht ganz schlecht. Aber was wird dann aus unserer Steuererklärung? Lohnt sich die ganze Schummelei dann überhaupt noch? Nein, tut sie nicht, sagt kein Geringerer als Arthur Laffer, ein deutschstämmiger Ökonom, der es in den Vereinigten Staaten zu einigem Ruhm gebracht hat. Und zwar, wie man erzählt, mithilfe eines Papiertaschentuchs. Vielleicht war es auch eine Serviette oder ein Stück Toilettenpapier. Auf ein Stück weiches Papier jedenfalls, das zum Zeichnen denkbar ungeeignet war, soll Laffer eine gekrümmte Linie gemalt haben. Und die wurde später als so genannte Laffer-Kurve bekannt. Einer der ersten, der sie zu Gesicht bekam, war der damalige Präsident Ronald Reagan. Und der war davon so verzückt, dass er sie zur Grundlage seiner gesamten Politik machte.

Und nicht nur er. Die Laffer-Kurve zog Politiker in aller Welt in ihren Bann.

Rote, schwarze, blaue, gelbe und grüne. Auch in der Partei des braunen Haider schwärmt man für sie. Und selbst der Herr Dr. Müller, unser Wirtschaftsminister, sprach kürzlich in einem Frankfurter Club über Laffer.

Was alle an der Kurve so fasziniert, ist ihre Form. Ganz steil steigt sie vom Nullpunkt an, bis sie ihren Höhepunkt erreicht und dann nach einem ziemlich scharfen Bogen wieder auf null zurückfällt. Diese Kurve, so Laffer, zeige den Zusammenhang von Steuersatz und Steuereinnahmen. Sie beweise, dass das Steueraufkommen des Staates zurückgeht, wenn der Steuersatz über eine bestimmte Höhe steigt. Weil die Leute dann nämlich die Lust verlören, ihre Steuern zu zahlen. Wenn man also die Steuereinnahmen erhöhen wolle, müsse man deshalb die Steuersätze senken. Damit die Steuern wieder gezahlt werden. Aha!

Dies heißt doch im Klartext, dass die Bundesregierung in Wahrheit die Steuern gar nicht senken will. Die Verringerung des Steuersatzes ist nur ein fieser Trick, um die Steuereinnahmen zu erhöhen. Lug und Trug also auch hier.

Genauso wie im Gropius-Bau.