Uwe Lüthje, vormals Generalbevollmächtigter der CDU-Schatzmeisterei, war stocksauer. Wenn "Sie sich sachverständig gemacht hätten", schreibt er im Mai 1993 an die damals amtierende CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister, dann "wäre Ihnen nicht entgangen, in welch hohem Maße wir ... der Firma Siemens/Nixdorf zu Dank für alle Hilfe verpflichtet sind". Das Maß dieser Verpflichtung ließ sich sogar beziffern. Es ging, schrieb Lüthje, "um einen siebenstelligen Betrag!".

Lüthje wollte der Siemens AG im Gegenzug einen millionenschweren Auftrag bei der Installation eines Kommunikationsnetzes für die Partei zukommen lassen Baumeister hätte den Konkurrenten Hewlett-Packard bevorzugt. Ein kleines Detail eines längst vergessenen Streites - wäre da nicht Lüthjes Hinweis auf eine Hilfsleistung im Wert von Millionen, für welche die CDU der Siemens AG zu Dank verpflichtet sei.

Schon länger ist Siemens als möglicher Schwarzgeldspender der Union im Gespräch. Lüthje und der CDU-Finanzjongleur Weyrauch hatten bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass der Münchner Konzern der Union ab 1984 eine Million Mark im Jahr zugesagt habe - Bedingung: Die Spenden würden vertraulich behandelt. Siemens dementierte nur halbherzig. Es sei "schwer einzuschätzen", sagte im April ein Unternehmenssprecher der ZEIT, "ob es da die Möglichkeit für irgendjemanden gab", aus der Schweizer Schmiergeldkasse des Konzerns "Geld für die CDU abzuzweigen" (ZEIT Nr. 16/00). Doch bei dem Streit zwischen Lüthje und Baumeister ging es nicht um Zuwendungen aus der Kriegskasse, sondern, auch das ist Lüthjes Schreiben zu entnehmen, um "jenen chaotischen EDV-Trümmerhaufen ... den Karl Schumacher mit seiner Dico-Soft angerichtet hatte".

Die Dico-Soft Dienstleistungs-Computer und Software GmbH gehörte der CDU und unterstand dem CDU-Organisationschef und Kohl-Intimus Schumacher. Sie sollte alle Parteigliederungen bis auf Kreisverbandsebene mit EDV-Technik von Siemens/Nixdorf ausstatten - wobei, wie Schumacher seinen Abnehmern mitteilte, "für Sie keine Zahlungsverpflichtung entsteht". Möglich, dass so parteiinterne Landschaftspflege betrieben wurde, um potenzielle Dissidenten kurz vor dem Bremer Parteitag der CDU 1989 auf Parteiführer-Kurs zu trimmen.

Jedenfalls wurden bevorzugt solche Bezirks- und Kreisverbände bedacht, in denen Kohls Widersacher Heiner Geißler und Lothar Späth damals auf Unterstützung hoffen konnten.

Schumachers Geschäftsgebaren trieb die Dico-Soft in den Ruin und hinterließ seiner Partei einen Millionenschaden. 3,869 Millionen Mark fehlten am Schluss. Einer der Gläubiger: die Firma Siemens.

War der siebenstellige Betrag, von dem Lüthje schrieb, eine erlassene Schuld?