Zu Beginn seiner EU-Ratspräsidentschaft gibt sich Frankreich überraschend ein linkes Wirtschaftsprofil. Premierminister Lionel Jospin und sein Finanzminister Laurent Fabius haben sich wohlwollend gegenüber der Tobin Tax geäußert, einer nach dem Nobelpreisträger James Tobin benannten "Spekulationssteuer" auf transnationale Kapitalflüsse. Bis zu 1800 Milliarden Dollar werden nach einer Schätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich täglich zwischen den Finanzmärkten bewegt. Die grundsätzliche Idee von Tobin: Spekulationsgeschäfte könnten durch die Steuer eingedämmt werden.

Jospin schlug am Wochenende vor europäischen Jungsozialisten vor, über das Thema zumindest "nachzudenken". Er persönlich stehe der Idee "nicht feindlich" gegenüber und habe keinerlei Bedenken. Er sei sogar der erste Politiker gewesen, der diese Steuer 1995 bereits befürwortete. Jedoch fügte er hinzu: "Es ist klar, dass solch eine Maßnahme nicht allein im nationalen Rahmen getroffen werden kann." Frankreich wäre nach Kanada und Finnland erst das dritte Land, das sich für die Tobin-Tax ausspricht. Das lässt ahnen, wie viel Überzeugungsarbeit noch notwendig sein wird.

Finanzminister Fabius will die 15 Staaten der Europäischen Union während Frankreichs Ratspräsidentschaft zu einer gemeinsamen Erklärung ermuntern.

Diese könnte während des Ministertreffens im September in Prag anlässlich der Generalversammlung des Internationalen Währungsfonds verabschiedet werden.

Offensichtlich erwartet Fabius aber Gegenwind. Nicht umsonst baut er schon einmal vor: "Ich frage mich, ob die Unannehmlichkeiten, die mit der Verlangsamung der Kapitaltransaktionen verbunden wären, schlimmer sind als die durch die extreme Volatilität der Märkte entstandenen Schäden", so der Finanzminister.

Am 10. Juli will er auf jeden Fall weitere Akzente setzen und eine Delegation der linksalternativen Gruppe Attac empfangen. Diese "Vereinigung für die Besteuerung von Finanztransaktionen zugunsten der Hilfe für Bürger" entstand ganz spontan nach einem kritischen Artikel in Le Monde diplomatique. Das war allerdings bereits im November 1997.