die zeit: Sie sind Grundschulpädagoge an der Katholischen Universität Eichstätt und haben gerade eine Computertastatur für Schreibanfänger entwickelt. Sollten Kinder nicht zuerst eine Handschrift entwickeln?

Rüdiger Schlicht: Kindern wird die Schreibschrift zu früh abverlangt. Mit dem Stift sollen sie - gleichmäßig, gerade, ästhetisch, möglichst in einem Zug - in enge Heftzeilen schreiben. Das halte ich für neurologisch sehr problematisch. Auch das Druckschreiben ist für manche Kinder motorisch schwierig. Sie sollten erst das Schreibsystem erfassen, nicht vorher eingeengt werden. Dabei hilft der Computer wie im Übrigen auch die Schuldruckerei, die es den Kindern ebenfalls ermöglicht, das Schreibsystem kennen zu lernen, ohne dass sie zunächst das Handschreiben können müssen.

zeit: Was ist so besonders an Ihrer Tastatur?

Schlicht: Die Tasten sind drei Quadratzentimeter groß. Dadurch ist auf ihnen Platz für das Bild eines Tieres, das mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt oder endet. Zudem sind sie alphabetisch angeordnet. Kinder tippen noch mit zwei Fingern, sollen sich aber nicht angewöhnen, mit zwei Fingern auf der herkömmlichen QWERTZ-Tastatur zu schreiben. Ferner ist die alphabetische die primäre Ordnung.

zeit: Die Verbindung von Bild und Buchstabe hat der Schweizer Pädagoge Jürgen Reichen schon vor Jahrzehnten eingeführt, wenn auch nur auf Bildtafeln ...

Schlicht: ... die können weiterhin parallel verwendet werden. Was die Grafik betrifft, sind die Bilder auf der Tastatur jedoch um einiges besser als auf den Bildtafeln. Auf ihnen kann man vieles nicht erkennen, wie den Chinesen oder den Jäger. Es gibt auch ganz absurde Symbole: eine Unterhose fürs "U" oder ein Giftfläschchen fürs "G". Ich habe mich auf Tiere beschränkt. Für das "X" bin ich auf den Urvogel Archäopteryx ausgewichen. Das muss man dem Kind natürlich erklären.

www.ku-eichstaett.de/PPF/Grundpaed/worksh.htm