Es wäre ein geschickter Schachzug von interessierten Kreisen in den Vereinigten Staaten. Vorausgesetzt, die Dinge entwickeln sich tatsächlich so, wie es amerikanische Blätter wie das Wall Street Journal oder die New York Times zu Beginn der Woche vermuten ließen.

Eine Gruppe von US-Senatoren habe Widerstand gegen einen möglichen Übernahmeversuch des drittgrößten Ferngesprächsanbieters Sprint durch die Deutsche Telekom signalisiert, hieß es. Die Perspektive, eine heimische Telefongesellschaft könne mit einem ausländischen und noch dazu staatlichen Konzern fusionieren, gilt vielen Amerikanern als Gräuel. Deshalb, so der Schluss bei Insidern, könnte die ursprünglich geplante Fusion der beiden US-Unternehmen Sprint und WorldCom am Ende womöglich doch noch klappen - trotz des Verbots der europäischen und amerikanischen Kartellwächter. Denkbar ist freilich auch, dass sich nun ein anderes US-Unternehmen Sprint einverleibt.

Gelingt es den Amerikanern tatsächlich, die nationale Karte zu spielen, müsste Telekom-Chef Ron Sommer endgültig von einem seiner großen Pläne Abschied nehmen. Er hat nie einen Hehl aus seinem Interesse an Sprint gemacht. Schließlich besitzt er bereits zehn Prozent an dem Unternehmen, das vorzüglich zu seinem eigenen passt. Vor allem aber: Mit einer Fusion würde endlich das lang propagierte Ziel erreicht, auf dem amerikanischen Markt durchzustarten und die Telekom zu einem Global Player zu machen. Allerdings hat Sommer in den USA längst weitere Verbindungen geknüpft. So zum Beispiel zur Telefongesellschaft Quest, die gerade zusammen mit US West einen neuen Kommunikationsriesen bildet. An Geld mangelt es dem deutschen Telekom-Chef jedenfalls nicht. Doch nach der jüngsten, eher protektionistischen Aktion der Senatoren dürfte das allein nicht mehr reichen.

Hierzulande sind bereits viele der neuen Telefongesellschaften in ausländischer Hand. So zum Beispiel E-Plus, Viag Interkom und Mannesmann. Und auch bei kleineren Unternehmen, wie Debitel oder Mobilcom, sind ausländische Anteilseigner mit von der Partie. Allerdings: Meist sind es Investoren aus Nachbarländern, die ihre Chance erkannten. Viele US-Konzerne scheinen hingegen von der Liberalisierung auf dem europäischen Markt bislang noch nichts bemerkt zu haben.